Bulle & Bär
Starke Sturmsaison für Rückversicherer-Aktien

Am 1. Juni beginnt nach der offiziellen Rechnung der Wetterforscher jedes Jahr die Hurrikan-Saison über dem Nordatlantik. Und nach allem, was die Experten bisher haben verlautbaren lassen, könnte 2007 wieder ein schlimmes Jahr werden. Denn die See ist, als wolle sie die aktuelle Klimadiskussion zusätzlich anheizen, zu warm.

DÜSSELDORF. Wir alle hoffen, dass die Wetterforscher sich irren – denn viele Stürme bringen großes Leid mit sich. Die Rückversicherer hoffen zudem, auch geschäftlich glimpflich davonzukommen – sie müssen die Schäden bezahlen. Aber was bedeutet eine starke Sturmsaison für ihre Aktien?

Die Analysten des Bankhauses Oppenheim, die die Branche insgesamt recht vorsichtig einschätzen, haben nachgerechnet, wie sich Stürme auf die Aktien der Rückversicherer auswirken. Ihr Fazit: in der Regel positiv. In diesem Ergebnis, das auf den ersten Blick überrascht, spiegelt sich die Erfahrung wider, dass die Branche nach großen Schäden leichter ihre Preise erhöhen oder wenigstens stabil halten kann.

Schauen wir einen Moment zurück auf die beiden vergangenen Jahre. 2005 hatten die Wetterforscher – korrekt – schon früh schwere Stürme vorausgesagt. Mit „Katrina“ in New Orleans, wenig später gefolgt von „Rita“, passierte tatsächlich eine Katastrophe. Sie hat nicht nur viel Leid hervorgerufen und große Schäden verursacht, sondern war auch monatelang eines der beherrschenden Themen in den Medien. Vor diesem Hintergrund fiel es den Rückversicherern leicht, die Preise, die andernfalls schon einzuknicken drohten, stabil zu halten. Im Jahr 2006 passierte dann - ebenfalls korrekt vorhergesagt - nicht viel; der Atlantik war kühler. Das bescherte der Branche ein Jahr mit stabilen Preisen und wenig Schäden, hinzu kam noch die gut laufende Börse: mehr Ertragsschub auf einmal geht nicht.

Wenn es in den nächsten Monaten zu starken Stürmen kommt, dann dürfte dies den Prämien allerdings nur noch wenig zusätzlichen Schub geben. Denn trotz des erfreulichen Jahres 2006 sind die Preise nicht gleich wieder eingebrochen. Es muss also auch für die Aktien nicht zu einem zusätzlichen Schub kommen. Die Wirkung ist eher mittelfristig zu sehen: Mehrere harmlose Jahre nacheinander würden irgendwann das Prämienniveau wieder unter Druck bringen, eine Sturmsaison verhindert das.

Neben dem Wetter spielt aber auch die Börse eine wichtige Rolle. Sie hält sich in diesem Jahr bisher erstaunlich gut. Geht man davon aus, dass der Boom nicht ewig hält, dann könnte das die Kapitalergebnisse drücken.

Die Aussichten der Rückversicherer sind also gemischt. Längerfristig ist die Branche aber sicher spannend. Der Aufbau großer Konzerne und neuer Infrastruktur in den Schwellenländern, in Verbindung mit der fortschreitenden Klimaveränderung, schafft neue geschäftliche Chancen. Wenn im Sommer die Aktien an einem Hurrikantag in die Knie gehen, ist das also möglicherweise eine gute Kaufgelegenheit.

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