Bulle & Bär
Stock Options, das heimliche zweite Gehalt

In den Rechnungslegungs-Abteilungen einiger US-Konzerne dürfte es derzeit hoch hergehen. Denn in diesem Quartal müssen die nordamerikanischen Firmen zum ersten Mal an Mitarbeiter ausgegebene Kaufoptionen auf Aktien als Kosten verbuchen.

DÜSSELDORF. Die nicht ganz einfache Rechenoperation wird die Quartalsergebnisse der im breit gefassten S&P 500 Index vertretenen Firmen um rund vier Prozent schmälern, schätzen Analysten. Wobei die Ergebnisse bei einigen Firmen auch um mehr als fünfzig Prozent zurückgehen könnten. Lange Gesichter und Druck auf die ohnehin schwankungsanfällig gewordenen Kurse sind vorprogrammiert.

Die Optionen waren bisher ein verstecktes zweites Einkommen, das in den Bilanzen und Quartalsberichten nirgendwo auftauchte. Sie geben den Mitarbeitern das Recht, Papiere des Unternehmens zu einem festen, meist deutlich unter dem Handelskurs liegenden Preis zu erwerben. Es war ein heimlicher Vermögenstransfer von den Aktionären an die Mitarbeiter, der lange keinen störte. Denn weder bei der Vergabe noch beim Einlösen entsteht ein Zahlungsstrom. Die Firma gibt einfach neue Aktien zum ermäßigten Preis aus. Dass dabei der Kurs verwässert wird, weil die Zahl der umlaufenden Aktien steigt und damit der Gewinn pro Aktie sinkt, merken Anleger allenfalls indirekt. Erst wenn das Unternehmen Aktien zurückkauft, um gegenzusteuern, entstehen echte Ausgaben. Das Rechnungslegungskomitee FASB verlangt jetzt, dass das stille Verschwinden von Firmenvermögen ein Ende hat und Optionen als Kosten ausgewiesen werden.

Mit rund 33 Mrd. Dollar werden die Aktienoptionen 2006 zu Buche schlagen, schätzt die Investmentbank CSFB. Seit 1999 sind über Aktienoptionen mehr als 400 Mrd. Dollar an Mitarbeiter gewandert. So viel wie der gesamte US-Verteidigungshaushalt 2006. Erst ein Drittel der US-Firmen weist die Optionskosten bereits freiwillig aus. Besonders betroffen von der Änderung sind Technologiewerte, Telekomzulieferer, aber auch Fluggesellschaften und einige Finanzdienstleister. Bei Sun Microsystems, Novell und JDS Uniphase wird sich das Kursgewinnverhältnis auf Grund der neuen Rechnungslegung praktisch verdoppeln. Stark betroffen sind auch Yahoo und E-Bay.

Wie so häufig, fehlen entsprechende umfassende Daten in Europa. Nach den europäischen Standards IFRS müssen die Optionen bereits als Kosten verbucht werden. Doch da Technologiefirmen meist noch nach US-Standards berichten, sind bei vielen entsprechende Anmerkungen nur im Anhang der Jahresberichte zu finden. Bei Infineon etwa hätten die Options-Kosten den Jahresverlust 2005 um elf Prozent auf 351 Mill. Euro erhöht, steht dort im Kleingedruckten . Genauere Beobachtung verdienen laut Morgan Stanley auch der Halbleiterhersteller STMicroelectronics, der Zulieferer der Chipindustrie Soitec und der Kondensatorenhersteller Epcos.

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