Bulle und Bär
Subprime zur Prime Time

Wenn Börsianer zur besten Sendezeit schlechte Nachrichten serviert bekommen, haben sie dafür eine neue Kurzformel gefunden: Subprime zur Prime Time. Insoweit war der gestrige Donnerstag keine Ausnahme. Die Aktienkurse rauschten nach unten.

FRANKFURT. Rückblende: Mitte Juli scheinen die Anleger eines Morgens vor die Tür getreten und mit einer völlig anderen Welt konfrontiert gewesen zu sein. In dieser anderen Welt gibt es keine verlässlichen und stabilen Trends an den Finanzmärkten mehr.

Es war auch zu schön: Liquidität überschwemmt die Märkte und treibt die Kurse auf immer neue Höhen; Investoren schwärmen von China und vom Kürzel Bric, berauschen sich an den Anlagethemen Energie und Klimawandel.

Jetzt ist die Liquidität einfach verschwunden, verschreckte Finanzhäuser halten die Taschen zu. Die Schwellenländer verursachen nach den Kursstürzen bei manchen Anlegern plötzlich allergische Reaktionen. Klimawandel ist erst einmal abgehakt. Aber dem Klimawandel waren die Finanzmärkte ohnehin immer schon egal; der Globus erwärmt sich auch ohne Wall Street und den Dax.

Überrascht sein darf niemand. Die ausufernde amerikanische Hypothekenkrise, die bei den schlechten Schuldnern (Subprime) startete, ist eine Krise mit Ansage. Sie war fast so gut zu prognostizieren wie der demografische Wandel. Doch nach über vier Jahren Aktienhausse hofft man eben, es möge einfach so weitergehen. Jetzt zeichnen die Charts eine unbequeme Wahrheit. Viele Verantwortliche aus Banken und Anlagehäusern verweigern Kommentierungen der Lage. Zu groß ist die Angst, irgendein falsch interpretiertes Wörtchen könnte die Anleger in Panikattacken treiben. Und die Anleger müssen bei der Stange bleiben, sonst setzt sich eine fatale Abwärtsspirale in Gang.

Die Krise kann sich kaum einfach so in Wohlgefallen auflösen. Das sind schlechte Nachrichten für Aktien und damit auch für große Teile der Anlagebranche, die auf diesem Feld viel Geld verdient. Sei es drum: Es gibt Zeiten, in denen ist die Sicherung des Kapitals wichtiger als die Jagd nach hohen Gewinnen. Der bekannte Vermögensverwalter Marc Faber hat es ähnlich formuliert: Es gibt Zeiten, in denen muss der Anleger beiseite treten.

Es bleiben in dieser Lesart wenige Rettungsanker. Dazu zählen Cash, kurz laufende Zinsanlagen und einige Rohstoffbereiche. Weite Teile der Aktienmärkte kommen für Investments nicht mehr in Frage - Finanzwerte an vorderster Front. Das ist psychologisch unbefriedigend, es sei denn die Anleger beruhigen sich mit einer alten Börsenweisheit: Aktionären geht es immer gut; in der Hausse steigen die Kurse, in der Baisse die Renditen.

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