Bulle und Bär
TecDax im Sinkflug

Wie schnell sich die Zeiten ändern: Noch Anfang November war der TecDax der Star am deutschen Börsenhimmel. Während sich die Standardwerte im Dax und auch das Nebenwertebarometer MDax im Zuge neuer Subprime-Sorgen bereits auf dem Rückzug befanden, nahm der deutsche Technologieindex noch einmal Anlauf auf sein Rekordhoch bei gut 1 050 Punkten.

FRANKFURT. Erste Analysten sprachen schon von einer "Entkopplung" der Technologiewerte vom Gesamtmarkt. Zwei Wochen später kann davon keine Rede mehr sein. In Serie ging der TecDax in den vergangenen Tagen mit Verlusten von zwei oder drei Prozent aus dem Handel. Der Index ringt jetzt damit, nicht unter die Marke von 850 Punkten zu fallen. Mitverantwortlich für den Abschwung des TecDax sind die gleichen, die auch den jüngsten Höhenflug verursacht haben. Lange Zeit haben Anleger fast blind in die Aktien von Sonnenkraft-Unternehmen investiert, jetzt machen sie Kasse. Zu tief sitzt der Schock, den der Solarkomponentenhersteller Conergy mit seiner Gewinnwarnung und der Meldung über einen kurzfristigen Liquiditätsengpass ausgelöst hat.

Positive Zahlen von Q-Cells oder Solon halfen nichts. Allerdings ist der TecDax mehr als ein reines Solarbarometer. Deshalb liegt die Schuld für den Rückzug der Anleger aus dem Tech-Segment auch nicht allein bei Conergy und Co. Auch andere Index-Mitglieder haben in den vergangenen Wochen mit negativen Schlagzeilen die Verunsicherung der Anleger geschürt: So brach die Aktie der Biotech-Firma GPC nach Misserfolgen in der Forschung um zwei Drittel ein. Auch die Titel des Medizin- und Sicherheitstechnik-Anbieters Drägerwerk brachen ein und fielen von 70 auf weniger als 50 Euro, weil das Unternehmen weniger Gewinn erzielte. Der Breitband-Spezialist QSC und der erst in diesem Jahr an die Börse gegangene Konkurrent Versatel wurden von den Anlegern für enttäuschende Zahlen drastisch abgestraft.

Die Liste ließe sich noch fortführen. Unter dem Strich war die Ergebnisqualität der TecDax-Mitglieder im dritten Quartal enttäuschend. Das unterscheidet sie deutlich von den Standardwerten im Dax und auch vielen Firmen im MDax. Deren Aktien sind zwar im Zuge der allgemeinen Marktverunsicherung zum Teil noch heftiger abgestürzt, allerdings erscheint die fundamentale Situation der meisten Unternehmen in diesen Segmenten deutlich gesünder. Vor diesem Hintergrund erscheinen Anlagen in TecDax-Aktien zurzeit wenig attraktiv - zumal die Finanzkrise zunehmend auch in der Technologiebranche Spuren zu hinterlassen droht, wenn Banken und andere Kunden im Zuge der wachsenden Unsicherheit ihre Investitionen zurückfahren. Schon jetzt ist der Vorsprung, den sich der TecDax seit Jahresanfang gegenüber dem Dax erarbeitet hatte, von mehr als 20 auf rund drei Prozentpunkte zusammengeschrumpft. Viel spricht dafür, dass daraus schon bald ein Rückstand wird.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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