Bulle & Bär
Überlebensratschläge für die Kreditkrise

Die Kreditkrise ist sehr gefährlich. Darin sind sich Finanzexperten einig. Nur geben sie das in unterschiedlich verschleierten Formen nach außen zu erkennen. Da tun die zunehmend offenen Worte vieler Top-Börsianer wohl.

FRANKFURT. Um das Lob richtig einzuordnen: Die Fachleute proben das genaue Gegenteil von dem, wofür Alan Greenspan zu seinen Zeiten als US-Notenbankchef bekannt war. Greenspan gab mit seinen Kommentaren den Anlegern und Analysten regelmäßig Rätsel auf. Oft schien das Entschlüsseln ägyptischer Hieroglyphen leichter, als die Bedeutung seiner Worte zu erkennen.

Jetzt sind es Anlage-Gurus wie Bill Gross oder George Soros, die "plain speak" praktizieren, zu deutsch: einfach reden und verstanden werden. Der Mr. Bond der Finanzmärkte und der Super-Investor haben den Ernst der Lage jüngst in einfachen Worten beschrieben. Nun drängen sich zwei weitere lebende Investmentlegenden mit besorgten bis alarmierenden Lagebeschreibungen ins Rampenlicht.

Da ist zum Beispiel Hedge-Fonds-Gründer Barton Biggs, bis vor einigen Jahren noch Chefstratege bei Morgan Stanley. Biggs ist mit einem börsenhistorischen Buch auf den Markt gekommen, in dem er Reichen Überlebenstipps gibt. Er erinnert daran, dass die Menschheit mindestens einmal im Jahrhundert von einer Zerstörung des aufgebauten Wohlstands geplagt wird. Auslöser könne auch ein Finanzmarktkollaps sein, unkt er. Seine Botschaft: vorbereitet sein, am besten mit einem Bauernhof weit entfernt von der urbanen Kultur, dazu Nahrungsvorräte, Samen für Feldfrüchte und alle Dinge lagern, die man für das Leben auf der Scholle braucht.

Die Überlebensratschläge von Biggs muten exotisch an. Weit hergeholt, möchte man urteilen. Näher an der Realität ist Julian Robertson. Der Gründer von Tiger Management war in der Hedge-Fonds-Szene der neunziger Jahre der Star schlechthin. Er verdiente ein Vermögen, schloss die Firma aber vor acht Jahren. Der Hobby-Golfer hat mit seinen 75 Jahren jetzt sogar noch mehr als nur ein bisschen Geld gemacht. Er setzte im vergangenen Jahr auf eine Baisse bei den mittlerweile berüchtigten US-Hypothekenpapieren schlechter Bonität. Die Subprime-Titel taten ihm den Gefallen und fielen ins Bodenlose. Robertson freut sich über exorbitante Gewinne.

Er hatte immer einen guten Riecher für Börsentrends. Die Trefferquote gilt sogar als rekordverdächtig. In seinen aktuellen Prognosen spielt der Dollar eine Schlüsselrolle. Der simple Gedankengang: Notenbank und Regierung werden ihn praktisch entwerten, weitere Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen wären die treibenden Kräfte. Falls der rüstige Milliardär wieder einmal recht behält, muss sich der Anleger auf einen anhaltenden Dollarverfall und seine Folgen einstellen. Doch auch damit lässt sich prima Geld verdienen. Jede Krise hat eben eine erfreuliche Kehrseite: die Chance.

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