Bulle und Bär
Vorsicht, Steuer!

Kaum etwas interessiert die Deutschen so wie das Thema Steuern. Auch die jüngste Telefonaktion des Handelsblatts mit Geldanlage-Experten zeigte, dass die Anleger die ab 2009 geltende Abgeltungsteuer viel stärker beschäftigt als die aktuelle Finanzkrise. Dies kommt nicht von ungefähr.

FRANKFURT. Finanzexperten erwarten wegen der Abgeltungsteuer doch Depot-Umschichtungen im Umfang von 200 Milliarden Euro. Offenbar elektrisiert die Anleger die Aussicht auf Besteuerung der bislang brutto verdienten Kursgewinne (nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr).

Rechenbeispiele aus der Finanzbranche untermauern das Gefühl, etwas tun zu müssen: Wer in den vergangenen dreißig Jahren jeden Monat 100 Euro in Aktienfonds gespart hätte, besäße jetzt laut Berechnung des deutschen Fondsverbands BVI rund 215 000 Euro, davon 180 000 Euro an Kursgewinnen. Künftig zwackt sich der Bundesfinanzminister davon dank 25 Prozent Abgeltungsteuer (plus Soli) über 46 000 Euro ab.

Es verwundert daher nicht, dass die Produktstrategen bei Fondsanbietern bereits bienenfleißig sind: Expertenschätzungen zufolge haben sie Hunderte neuer Produkte in ihren Pipelines, um möglichst viel von dem "wandernden" Geld in die eigenen Fonds zu bekommen. Umso erstaunlicher ist es, dass die ansonsten so werbeaktive Finanzbranche sich bislang extrem zurückhält mit Kampagnen zum Lieblingsthema der Deutschen. Im Herbst/Winter wollen einige Anbieter allerdings doch mal ein wenig in Sachen Steuer werben.

Die Branche fürchtet, dass die Politiker den Bestandsschutz bis Ende 2008 für Fondsanlagen beschneiden könnten. Fondsanbieter sehen sich noch ein gutes Jahr gegenüber der gefürchteten Zertifikate-Konkurrenz im Vorteil. Denn für Zertifikate gilt im Gegensatz zu anderen Wertpapieren wie auch Fonds nur ein begrenzter Bestandsschutz. Wer jetzt ein Zertifikat erwirbt und es länger als bis Mitte 2009 hält, zahlt beim Verkauf Abgeltungsteuer auf den Kapitalertrag. Mit Aktien, Anleihen und Fonds erhalten sich Anleger hingegen vorerst noch die alte Steuerfreiheit von Kursgewinnen.

Anleger sollten sich daher durchaus Gedanken über eine steueroptimale Depotstrategie machen. Einseitig wäre jedoch, nur aus Steuergründen etwa Dachfonds oder steueroptimierte Anleihefonds zu kaufen. Dachfonds gelten in der Branche als neue steuergünstige Anlage. Investoren können damit Steuerzahlungen aufschieben, weil innerhalb der Dachfonds Umschichtungen auch nach 2008 steuerfrei bleiben. Vor allem für Sparpläne wird dies attraktiv. Allerdings bemühen sich die Fonds-Lobbyisten um Nachbesserung bei der Besteuerung von Sparplänen etwa für die Altersvorsorge. Fazit: Steuergesetze ändern sich und sollten nur ein Aspekt der Anlagestrategie sein.

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