Bulle und Bär
Zertifikate: Wer Alpha sagt …

Wenn in der Finanzwelt von Alpha die Rede ist, heißt es, vorsichtig zu sein. Denn der erste Buchstabe des griechischen Alphabets, der in der Sprache der Banker den Mehrwert bezeichnet, den ein Fondsmanager oder eine Anlagestrategie dem Anleger liefert, ist zwar in aller Munde. Viel zu oft bleibt das Alpha aber ein leeres Versprechen.

FRANKFURT. Kaum einem Anlageprofi beziehungsweise Finanzprodukt gelingt es auf Dauer, den Markt zu schlagen. Da machen die Alpha-Zertifikate, die die Banken seit Jahresanfang reihenweise auf den Markt geworfen haben, keine Ausnahme. Ihr Ziel, einen Basiswert - meist einen Aktienindex - einfach mit einem anderen zu übertrumpfen, haben viele der Modeprodukte bisher verfehlt. Das gilt vor allem für die zahlreichen Zertifikate, die auf eine überdurchschnittliche Entwicklung dividendenstarker Aktien setzen.

Dabei hat die Idee durchaus Charme. Die Papiere werfen nämlich bereits dann positive Erträge ab, wenn sich ein Dividendenindex wie der Dow Jones Select Dividend oder der deutsche DivDax besser entwickelt als ein Standardbarometer wie der Dax oder der EuroStoxx 50. Das Verhalten des Gesamtmarktes - in der Fachsprache auch Beta genannt - spielt dabei keine Rolle.

Da dividendenstarke Werte vor allem in unsicheren Börsenphasen ihre Stärke ausspielen, können Anleger mit der Alpha-Dividenden-Strategie auch bei fallenden Kursen auf positive Erträge hoffen. Aber auch in Aufschwungphasen liegen die Dividendenindizes historisch gesehen vorn - das zeigen zumindest die theoretischen Rückrechnungen in den Produktbroschüren der Banken.

In der Praxis sieht das Bild im Moment jedoch anders aus. Seit Jahresanfang hat etwa der Dax den EuroStoxx Select Dividend um mehr als zehn Prozent abgehängt und auch den DivDax deutlich hinter sich gelassen. Entsprechend sind die Kurse der meisten Alpha-Zertifikate in den Keller gerutscht, während die Börsen insgesamt von einem Hoch zum nächsten klettern. Statt Alpha zu liefern, haben die Papiere jede Menge Beta verpasst.

Das ist auch den Banken nicht entgangen. Einige Emittenten haben die Idee daher jetzt weiterentwickelt und so genannte Alpha-Beta-Zertifikate auf den Markt gebracht. Diese funktionieren ähnlich wie die herkömmlichen Alpha-Produkte. Allerdings schützen sie Anleger vor der Gefahr, in Bullenmärkten leer auszugehen. Ihre Rendite entspricht dann am Ende der Laufzeit dem Alpha oder dem Beta - je nachdem, was höher ausfällt.

Der Idee, marktneutral positive Renditen zu erzielen, kommen die Alpha-Beta-Produkte damit ziemlich nahe. Verluste drohen nur, wenn der Markt sich negativ entwickelt und der Basiswert auch noch schlechter läuft als der Vergleichswert. Ausschließen kann man das natürlich nicht; alles in allem scheinen Anleger aber gut beraten, wenn sie nicht nur Alpha sagen, sondern das Beta gleich hinzufügen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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