Bulle & Bär
Zwitter für Zauderer

Allen guten Worten von niedrigen Bewertungen und hohen Dividendenrenditen zum Trotz: Wer als Privatanleger bislang noch nicht in den Aktienmarkt eingestiegen ist, dürfte nach der jüngsten Dax-Rally um 1 000 Punkte binnen sechs Wochen endgültig kapituliert haben und auf festverzinsliche Produkte setzen. Und die goldene Mitte? Die scheint, zumindest unter Privatanlegern, fest in der Hand der Zertifikate-Industrie zu sein. Zu Unrecht, denn Wandelanleihen sind eine unter Privatanlegern fast vergessene Anlageklasse, obwohl sie, wie viele der populären Zertifikate, die Chancen der Aktien mit dem Schutz von Anleihen verbinden. Die Bilanz stimmt: Über drei Jahre erzielten Wandelanleihenfonds mit dem Anlageschwerpunkt Europa bei nur geringen Schwankungen einen Zugewinn von im Schnitt 6,8 Prozent pro Jahr.

Dank der wieder gestiegenen Zinsen kletterte zudem der risikolose Zins, den Investoren unabhängig von der Kursentwicklung der unterlegten Aktien mit Wandelanleihen erzielen können. Auch die noch immer sehr niedrige Volatilität der Aktienmärkte macht Wandelanleihen interessant: Zieht die Volatilität an, steigen auch die Prämien für die in den Wandelanleihen enthaltenen Optionen. Das sorgt für einen Puffer gegen Aktiencrashs.

Statt sich jedoch selbst auf die Suche nach interessanten Wandelanleihen zu machen, spricht für Privatanleger einiges dafür, den Weg über einen Fonds zu gehen. Erstens sorgt nur eine breite Streuung über viele Wandelanleihen für erwünschte Diversifikationseffekte in einem Depot.

Zweitens sind Wandelanleihen schlicht ein knappes Gut. Das Angebot umfasst in Europa lediglich 300 Wertpapiere. „Bis September könnten davon zudem rund ein Viertel durch Wandlung in Aktien fällig gestellt werden“, erläutert Christian Zeinler, Manager des österreichischen Volksbank Invest Convertible Fund. Die Folge: Im März gaben die Fondsgesellschaften Parvest und Fortis die Schließung ihrer europäischen Wandelanleihenfonds für neue Anleger bekannt.  

Drittens steht Fonds im Gegensatz zu Privatanlegern der Markt so genannter synthetischer Wandelanleihen offen. Denn aus der Not knapper Wandelanleihen haben Banken inzwischen eine Tugend gemacht: Aus Anleihen und Optionen mixen sie einfach bei Bedarf neue Wandelanleihen. Was wiederum an die Zertifikateindustrie erinnert: Was es nicht gibt, wird einfach neu geschaffen.

Volksbank-Invest-Manager Zeinler rechnet aber auch in Europa wieder mit baldigem Nachschub durch klassische Wandelanleihen. „Darauf deutet die Mixtur aus stark gelaufenen Aktienmärkten sowie historisch noch immer niedriger Zinsen und Volatilitäten hin“, sagt Zeinler und verweist auf die jüngsten Emissionen: Ende März platzierte der Reifenhersteller Michelin neue Wandelanleihen im Volumen von 500 Millionen Euro, kurz darauf folgte die Fluggesellschaft Air Berlin mit einer Emission von 200 Millionen Euro.

kirchner@handelsblatt.com

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%