Commerzbank verkauft Zertifikate ohne Gebühren
Festtag für Zocker

Am katholischen Feiertag Fronleichnam ziehen Gläubige in Prozessionen durch Dörfer und Städte. Doch längst nicht jeder Deutsche nimmt an den kirchlichen Veranstaltungen teil. Mancher lässt auch am Feiertag den Blick nicht von seinem Depot. Für Spekulanten, die auch an solchen Tagen lieber handeln als in die Kirche zu gehen, hat die Commerzbank ein besonderes Angebot parat: Gratishandel von Zertifikaten und Optionsscheinen am Feiertag.

FRANKFURT. Das Konzept ist nicht ganz neu: Zertifikate-Emittenten tun sich mit Online-Brokern zusammen und verkaufen ihre Produkte für begrenzte Zeit an der Börse vorbei ohne Transaktionskosten. Bei der Commerzbank-Aktion sind gleich sieben der Internet-Marktplätze vertreten. Viele Banken machen solche Aktionen für einen Monat, eine Woche, einen Tag – oder einen Feiertag.

Besonders Zocker nutzen die Free-Trade-Tage intensiv, wissen die Banken. Die schnellen Händler setzen an den Tagen auf Hebelprodukte, deren Kurse immer um ein Vielfaches eines Basiswertes steigen oder fallen. Beispielsweise kann der Kurs eines Optionsscheins auf eine Aktie um vier Prozent steigen, wenn die Aktie ein Prozent zulegt (vierfacher Hebel). Kostet der Handel kein Geld, kann der Spekulant die vier Prozent komplett auf der Habenseite verbuchen.

Auch Teilnehmer von Prozessionen sollten sich überlegen, später am Tag noch schnell das Online-Depot aufzupäppeln. Denn die Aktion der Bank ist großmütig und finanziell selbstlos – eben einem christlichen Feiertag angemessen. Bei Free-Trade-Aktionen legen die Banken in der Regel ordentlich Geld drauf. „Sie sind ein gutes Marketinginstrument, kosten aber auch einiges“, sagt ein Derivateexperte einer großen deutschen Bank. „Man kauft mit einer solchen Aktion Marktanteil“, gibt ein anderer zu. Beim Broker Cortal Consors können Free-Trade-Umsätze eigenen Angaben zufolge bis zu 15 Prozent des Tagesumsatzes ausmachen. Auch die Gesamtumsätze treibt die Aktion in die Höhe.

Für jeden Gratis-Klick der Zocker muss die Bank die Gebühren aufbringen, die sonst der Kunde bezahlen müsste. Bei Cortal Consors immerhin mindestens 9,95 Euro je Transaktion. Wie viel die Banken den Broker tatsächlich bezahlt, ist ein Geheimnis der Branche und hängt vom Verhandlungsgeschick der Zertifikateverkäufer ab. Den Anlegern kann das aber egal sein.

Sie profitieren auch bei kleineren Einsätzen schon vom schnellen Kaufen und Verkaufen – wenn sich die Kurse ausreichend bewegen.

Das genau ist aber der Haken am Feiertagshandel: An den meisten Festen geht es an den Börsen äußerst besinnlich zu. Der Pfingstmontag in der vergangenen Woche war einer der ruhigsten Tage des Jahres an den Märkten. An der Derivatebörse Euwax in Stuttgart lag der Tagesumsatz bei 32 Millionen Euro – gerade mal ein Viertel eines normalen Handelstages. „Es fehlen die institutionellen Anleger, die große Umsätze generieren“, sagt Euwax-Sprecher Thorsten Aberle. Auch die meisten Kleinanleger verbringen solche Tage offenbar lieber in Ruhe abseits der Märkte.

Geringe Kursbewegungen sind aber schlecht für den Handel mit Derivaten. Die Preise der abgeleiteten Produkte variieren nun mal nur mit den Kursen „echter“ Anlagen. Und wenn sich die Aktien nicht bewegen, sieht es mit den kurzfristigen Derivate-Gewinnen düster aus. „Volatility smiles“, heißt ein Spruch der Derivatenhändler. Bewegungslosigkeit lässt dagegen lässt dem Zocker die Gesichtszüge einfrieren.

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