Der Absturz danach
Borussia Dortmund verliert auch an der Börse

Bestes Beispiel für die Abhängigkeit des Aktienkurses vom wirtschaftlichen Erfolg ist die Aktie des einzigen börsennotierten deutschen Fußballclubs Borussia Dortmund.

FRANKFURT. Lässt sich über Fußball-Aktien tatsächlich ernsthaft berichten? Hängt doch deren Aktienkurs wesentlich mehr von Toren und Siegen als von wirtschaftlichen Erfolgen ab. Bestes Bespiel war gestern wieder mal die Aktie des einzigen börsennotierten deutschen Fußballclubs, der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Die stürzte gleich zu Handelsbeginn bei dreimal so hohen Umsätzen wie normal um 17 % ab, weil rund 10 Stunden vorher der belgische FC Brügge schlicht die besseren Elfmeterschützen hatte. Natürlich geht es hierbei auch um Geld – die Rede ist von rund 15 Mill. Euro, die durch das Ausscheiden in der Champions League und den Einzug in den weitaus weniger lukrativen UEFA-Pokal in dieser Saison zu erwarten sind.

Nun ist eine solche Rechnung erstmal immer abstrakt und soll die Schmerzhaftigkeit jener Niederlage in all ihren Facetten unterstreichen. Was aber, wenn die Borussia sich im UEFA-Cup außergewöhnlich gut schlägt und beispielsweise auf Teams wie den FC Liverpool oder gar den FC Schalke trifft. Vom Medieninteresse würde ein solches Match so manches Champions- League-Spiel in den Schatten stellen. Und am Ende könnte der BVB im UEFA-Cup beispielsweise immer noch mehr Geld einstreichen als der FC Bayern in seiner völlig verkorksten letzten Champions League Saison.

Doch das ist im Moment noch reines Wunschdenken. Anders als bei den Fans haben sich die Analysten schnell auf die neue Situation eingestellt. Und siehe da: Kein einziger ist von seinem vorher bereits positiven Aussagen abgerückt. Vielmehr wird weiterhin auf die deutliche Unterbewertung der Aktie verwiesen und darauf, dass allein die Mannschaft vermutlich das Doppelte der aktuellen Marktkapitalisierung von 60 Mill. Euro wert ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf niedrigem Niveau bei 11, das Westfalenstadion ist ausgebaut, mit Sponsoren wurden langfristige Verträge geschlossen. Außerdem sei dem BVB im Moment noch kein Schaden entstanden. Der wäre erst so richtig perfekt, würde die Mannschaft in der ersten Runde des UEFA-Cups ausscheiden.

Trotzdem drohen Gefahren, wenn auch von ganz anderer Seite. Von einem Killer-Content für Free- und Pay-TV im allgemeinen ist inzwischen die Rede und einer Inzestualisierung bei der Borussia im besonderen. Mit ersterem sind die Einnahmen aus Fernsehgeldern gemeint, die zwar von der Saison 1987/88 bis zur Saison 2000/01 um sagenhafte 1 665 % auf 353 Mill. Euro gestiegen sind, inzwischen aber einen Abschlag bis auf 280 Mill. Euro hinnehmen mussten und deren Finanzierung noch immer nicht sicher gestellt ist. Hinter dem Begriff Inzestualisierung verbirgt sich Lust und Last mit den 49 000 Dauerkartenbesitzern. Gelegenheits-Fans werden so inzwischen von einem Stadionbesuch abgeschreckt.

Wie geht es nun mit der BVB-Aktie weiter, die gegenüber dem Ausgabepreis vor über 3 Jahren sowieso bereits über 70 % an Wert verloren hat? So wie mit der Leistung der Mannschaft, lautet die unbefriedigende Antwort. Die muss sich am Sonntag erstmal mit Eintracht Glas-Chemie Wirges in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokal messen. Ein Erfolg ist vorprogrammiert, deshalb ohne Einfluss auf die Aktie. Diese kann erst wieder profitieren, wenn namhaftere Gegner besiegt werden.

In der Gesamtbewertung aller 36 Fußball-Clubs, die derzeit in Europa an der Börse gelistet sind, bleibt die Borussia somit weiterhin wie in der Bundesliga nur guter Durchschnitt. Bei 50 Mill. Euro liegt im Schnitt die Marktkapitalisierung der Klubs aus Großbritannien (21), Dänemark (6), Italien (3), Portugal (2), Türkei (2), den Niederlanden (1) und Deutschland (1). 60 Mill. Euro bringt die Borussia auf die Waage. Zu wenig, um nur im entferntesten an Krösus Manchester United ranschmecken zu können. Dessen Börsenwert liegt nämlich rund zehnmal so hoch.

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