Der französische Ölkonzern schwimmt im Geld
Total interessant

Geld regt die Phantasie der Börsianer an. Und wenn ein Unternehmen in absehbarer Zeit über zweistellige Milliarden-Beträge an Cash verfügen kann, greifen auch schon mal hoch bezahlte Analysten zum Stift und schreiben auf, was man damit alles Schönes anstellen kann.

PARIS. Die Rede ist vom französischen Ölkonzern Total, Nummer vier der Welt. Total geht es total gut: Nach Berechnungen von Goldman Sachs kann der französische Ölkonzern dank seines Aktienpakets an Sanofi-Aventis und des starken Cash-Flows bis zum Jahr 2008 über 30 Milliarden Euro locker machen. Mit dem Geld könnte Total auf Einkaufstour gehen. Schon machten vergangene Woche in der britischen Presse Gerüchte die Runde, die Franzosen könnten den angezählten Wettbewerber Royal Dutch/Shell schlucken.

Offiziell will Total davon nichts wissen. Erst am 5. August erklärte Finanzvorstand Robert Castaigne: „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für Zukäufe.“ Aha, mag man sich denken, dann eben später. Für Total-Aktionäre und die, dies es vielleicht werden wollen, stellt sich Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass Total in absehbarer Zeit eine Übernahme wagt? Und würde solch ein Deal überhaupt Sinn machen?

Auf den ersten Blick hat Total keine Verstärkung nötig. Das Unternehmen ist bereits jetzt der Liebling der Analysten: Von 38 von der Finanzagentur Bloomberg erfassten Analysten raten 29 zum Kauf von Total. Das hat seinen Grund: Der Ölgigant weist höhere Wachstumsraten bei den Fördermengen aus als seine Wettbewerber, verfügt über Barmittel von über elf Milliarden Euro und sitzt zudem auf einem 13-prozentigem Aktienpaket am neuen Pharma-Riesen Sanofi-Aventis. Der Wert: rund zehn Milliarden Euro.

Trotzdem wird der französische Ölkonzern mit einem Abschlag gegenüber seinen Wettbewerbern gehandelt. Derzeit weist Total ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (Basis ist Gewinnschätzung für 2005) von 11,1 auf. Der KGV-Schnitt bei den so genannten Majors, den Mega-Ölkonzernen wie Royal Dutch/Shell, liegt bei 12,1. Um also endgültig in die Bewertungsklasse der Super Majors aufzusteigen, muss sich Total noch vergrößern.

Die Goldman-Experten fürchten zudem, dass in Zukunft andere Ölkonzerne Total beim Förderwachstum überflügeln könnten. Außerdem könnte Total über einen Zukauf die Förderung breiter diversifizieren. Der Konzern muss sich ja nicht gleich an der größeren Royal Dutch/Shell versuchen. Eine Übernahme der russischen Sibneft oder der spanischen Repsol würden die Franzosen auch nach vorne bringen.

Strategisch könnte ein Zukauf also Sinn machen. Zudem gibt es kaum Zweifel daran, dass Total eine große Übernahme managen kann. Schließlich hat der Konzern in den 90er Jahren den viel größeren französischen Konkurrenten Elf mit Erfolg geschluckt. Aber angesichts des Ölpreises, der von Rekord zu Rekord eilt, ist in kurzer Zeit nicht mit einem Übernahmeversuch zu rechnen. Die jüngste Fusionswelle Ende der 90er Jahre rollte, als Öl zu Preisen um 15 Dollar je Barrel gehandelt wurde. Die Gefahr ist jetzt zu groß, zu viel bezahlen zu müssen.

Doch das kann sich schnell ändern. Anleger, die vom Szenario eines Zukaufs von Total überzeugt sind, könnten Kursrückgänge zum Einstieg nutzen, um auf lange Sicht vom erhofften Zukauf von Total zu profitieren. Zu bedenken ist, dass bei jedem halbwegs glaubwürdigen Zukauf-Gerücht von Total der Kurs erst mal gen Süden gehen wird.

Doch auch für Anleger, die nichts vom Übernahmeszenario halten, ist die Total-Aktie eine Überlegung wert. Denn auch ohne Zukauf muss das Unternehmen ja irgendwohin mit seinem Reichtum. Allein in diesem Jahr sollen rund sechs Milliarden Euro an die Anleger ausgeschüttet werden. Mittelfristig winkt zudem eine Sonderdividende aus dem Verkauf des Sanofi- Aventis-Pakets. Wie gesagt, bei der Aussicht auf 30 Milliarden Euro kann man schon mal träumen.

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