Deutsche sind Risikoscheu bei Geldanlage
Bismarck ist schuld

Die Deutschen zeigen sich bei Geldanlage einmal wieder von ihrer konservativsten, unvernünftigsten Seite.

FRANKFURT. Die meisten Menschen wollen Geld, das nach dem Kauf von Weihnachtsgeschenken übrig bleibt, ohne jegliches Risiko investieren. Gefragt danach, wie sie aktuell 10 000 Euro anlegen würden, antwortet eine große Mehrheit "Sparbuch oder Schatzbriefe". Das ergibt eine Umfrage von TNS Emnid, die in den nächsten Tagen veröffentlicht wird.

Damit zeigen die Deutschen noch mehr Risikoscheu als vor einem Jahr, als bereits knapp die Hälfte "gar kein Risiko" eingehen, weitere fast 40 Prozent das Geld "überwiegend sicher" investieren wollten. Weniger als ein Zehntel der Menschen will das Geld vor allem risikoreich investieren, also beispielsweise in Aktien. Dazu passt, dass Anleger aus Aktienfonds in diesem Jahr Milliarden von Euro abzogen und stattdessen auf Geldmarktfonds und Produkte mit Kapitalgarantie setzen.

Erstaunlich aber: Bei denen, die noch Aktien besitzen, steigt der Optimismus. Nach der jüngsten monatlichen Befragung der Vermögensverwaltung JP Morgan Asset Management vertrauen private Anleger dem Aktienmarkt nun stärker - gefragt wurden hier die Leute, die den Aktien treu geblieben sind. Sie sind so optimistisch für Aktien wie seit einem halben Jahr nicht mehr - dies, nachdem die Kurse zuletzt Jahreshochs erreicht haben.

Dieses widersprüchlich Verhalten ist allerdings ein alt bekanntes, deutsches Muster. Wissenschaftler führen es auf unser lange Zeit kommodes soziales Sicherungssystem zurück: Das von Otto von Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts eingeführte staatliche Umlagensystem habe die meisten Deutschen in Sicherheit gewiegt. Die meisten hätten sich daher nie ernsthaft mit Aktien beschäftigt. Die kurze Phase der Börseneuphorie habe dann plötzlich Gier und Spieltrieb geweckt - mit üblem Ergebnis. Der Schaden Aktienfiebers der New Economy sei erst jetzt erkennbar, sagte kürzlich der Soziologe Reinhard Blomert. Das Ergebnis dieser langen Entwicklung: Viele Anleger in Deutschland finden kein rechtes Maß - sie schrecken entweder ganz vor der Börse zurück oder verfallen dem Herdentrieb.

Indirekt haben die Kunden allerdings stärker an den Aktienmärkten investiert, als vielen bewusst ist. Über die Lebensversicherung, die fast jeder abgeschlossen hat, stecken im Durchschnitt immerhin rund 20 Prozent des Anlagekapitals in Aktien, zunehmend auch in alternativen Investments.

Gleichwohl dürfte es kein Fehler sein, generell über eine Diversifizierung der Anlagen über verschiedene Investmentarten nachzudenken. Die Erkenntnis, dass die staatliche Rentenversicherung künftig nicht mehr ausreicht, treibt bereits immer mehr Menschen um. Das sieht man auch am steigenden Absatz der Riester-Produkte. Mit Sparbuch und Schatzbrief allein ist aber eine ausgewogene private Altersvorsorge nicht darzustellen.

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