Die Aktie der Deutschen Telekom bietet kaum Chancen
Gedeckelter Kurs

DÜSSELDORF. Der Mann muss wohl verrückt geworden sein. Einen anderen Schluss lassen die Kommentare über Kai-Uwe Ricke, Chef der Deutschen Telekom, nicht zu. Ausgelöst wurden sie von Spekulationen über einen möglichen Rückkauf des börsennotierten Internetanbieters T-Online durch die Mutter.

Die Überlegungen der Telekom zu T-Online bewegen die Gemüter viel stärker, als es der dahin dümpelnde Aktienkurs vermag. Dieser scheint ebenso wie der Deutsche Aktienindex (Dax) „gedeckelt“. Jeder Anlauf nach oben scheitert. Was beim Dax angesichts kräftig steigender Unternehmensgewinne vielleicht nur schwer zu erklären ist, fällt bei der Telekom etwas leichter.

Zum ersten: Ein möglicher Rückkauf von T-Online in den nächsten zwölf bis 18 Monaten kommt an den Märkten überhaupt nicht gut an. Das sei absolute Geldverschwendung, urteilt Frank Rothauge, Telekom-Analyst von Sal. Oppenheim. ING-Experten fürchten dadurch einen Rückschritt für die bisher eher positive Finanzentwicklung des Bonner Konzerns. Die Telekom könne ihren Barmittelüberschuss doch wesentlich sinnvoller als für T-Online ausgeben, sagen die Analysten von JP Morgan. Aktionärsschützer blasen ins selbe Horn und würden Kai-Uwe Ricke die Rückintegration der Internettochter ebenfalls gern ausreden: Denn dies wäre eine Zwangsenteignung der Aktionäre, so die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger.

Kurzum: Die Ausgaben für einen möglichen Rückkauf der Tochter – etwa 3,5 Milliarden Euro bei einem Aufschlag von 20 Prozent auf den derzeitigen T-Online-Aktienkurs – stehen in keinem Verhältnis zu den Vorteilen. Eine engere Kooperation von Festnetz- und Internetaktivitäten lässt sich auch anders erreichen. Die Experten von Sal. Oppenheim weisen zudem darauf hin, dass einige Vorteile nur in der Theorie bestehen. So könnte der Konzern durch die Integration der Geschäftsbereiche Festnetz und Internet seine Kosten zwar um etwa 100 Millionen Euro senken. Da das Unternehmen aber auf Grund von Vereinbarungen mit Gewerkschaft und Betriebsrat derzeit ohnehin keine Mitarbeiter entlassen darf, ist dieser Vorteil kaum zu realisieren.

Warum gibt die Telekom ihr Geld nicht an anderer Stelle aus? Nach Ansicht von JP Morgan bietet sich zum Beispiel die komplette Übernahme der polnischen Mobilfunkgesellschaft PTC an. Und auch beim Schuldenabbau, der bei einem Rückkauf ins Stocken geriete, sollte die Telekom nicht nachlassen. Dieser kam bei Anlegern in den vergangenen Jahren besser an als alle Firmenkäufe und Zukunftsvisionen zusammen. Erst das konsequente Aufgreifen des Schuldenproblems beendete vor gut eineinhalb Jahren den Kursverfall – von über 100 Euro im Jahr 2000 auf weniger als zehn Euro nur zwei Jahre später.

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