Die Besitzer von Tui-Anleihen sind abgesichert
Attraktive Renditen

Die Spekulationen um den Touristik-Konzern Tui reißen nicht ab: Wird die Schifffahrts-Tochter Hapag Lloyd den Börsengang schaffen? Warum hat Morgan Stanley den Anteil an Tui auf zehn Prozent erhöht? Wann und an wen wird die WestLB ihre 31-prozentige Beteiligung verkaufen?

FRANKFURT/M. Diese Fragen können die Besitzer von Anleihen des Touristik- Konzerns relativ kalt lassen. Denn sie sind in allen Fällen recht gut abgesichert. Der Konzern, der unter Vorstandschef Michael Frenzel vom Stahl- und Touristikunternehmen Preussag zum Touristikkonzern Tui umgebaut wurde, hat drei Anleihen ausstehen. In gut zwei Jahren fällig wird ein Papier, das noch unter der alten Preussag begeben wurde und mit 4,03 Prozent rentiert. In diesem Jahr hat Tui zwei Anleihen begeben: einen variabel verzinsten 2009 fällig Bond, der einen Renditeaufsclag von 2,10 Prozentpunkten über dem dreimonatigen Interbankenzinssatz Euribor bietet und eine festverzinslichen bis 2011 laufenden Anleihe, die mit 6,30 Prozent rentiert.

Diese Renditen sind sehr hoch. Der Markt bewertet Tui so als hätte das Unternehmen ein Rating innerhalb der Spekulationsklasse, also ein so genanntes Junkbond-Rating. Dabei hat Europas größter Reiseveranstalter gar keine Bonitätsnote, will sich aber bis Ende kommenden Jahres ein Rating besorgen. Hier strebt das Unternehmen eine Einstufung am unteren Rand der sicheren Investitionsklasse an.

Die Aussichten das zu erreichen sind nicht schlecht. Immerhin hat Tui seit Ende 2002 den Schuldenberg von 5,7 Mrd. Euro auf gut knapp 3,3 Mrd. Euro deutlich abgebaut, und die Zahlen für das erste Halbjahr überraschten positiv. Wenn Tui es schafft, Hapag Lloyd wie geplant noch in diesem Jahr an die Börse zu bringen, steht einem Investment-Grade-Rating kaum noch etwas im Wege. Hinter diesem Börsengang stehen allerdings Fragezeichen, auch wenn Tui noch an den Plänen festhält. Doch das Umfeld ist schlecht, und Tui hat erklärt, dass die Tochter nicht unter Wert verkauft werden soll. Schlimmstenfalls werde Tui aber ein noch recht gutes Rating innerhalb der Spekulationsklasse bekommen, meint die DZ Bank. Angesichts der aktuellen Renditen sollte selbst dieser „Worst Case“ die Bonds nicht sonderlich belasten.

Tui könnte sich aber auch entscheiden, doch kein Rating zu beantragen. In diesem Fall stehen die Investoren der in diesem Jahr begebenen Anleihen von Tui gut da, denn die Zinsscheine dieser Bonds steigen automatisch um 0,75 Prozentpunkte, wenn Tui bis Ende nächsten Jahres kein Rating hat.

Auch die Spekulationen um eine mögliche Übernahme, sind für die Bonds nicht allzu relevant. Gerüchte über eine Übernahme kamen durch die Erhöhung der Beteiligung von Morgan Stanley an dem Touristik-Riesen auf. Verstärkt wurden sie durch Meldungen, dass die WestLB jetzt Angebote für den schon länger geplanten Verkauf ihres Anteils an Tui sammelt. Bieter bei der WestLB sind Finanzinvestoren und Industriekonzerne. Anleger fürchten, dass ein Finanzinvestor Tui übernehmen wird, um sich die Perle Hapag Lloyd zu sichern und den Rest des Unternehmens zu zerschlagen.

Doch auch in diesem Fall haben die Besitzer der in diesem Jahr begeben Bonds nicht viel zu befürchten. Denn in den Anleihebedingungen steht eine Klausel, nach der Tui anbietet, die Bonds zum Kurs von 101 Prozent plus aufgelaufene Zinsen zurückzukaufen, wenn ein Investor mehr als 50 Prozent der Anteile an Tui übernimmt.

Die Besitzer der 2006 fälligen Anleihe kommen zwar nicht in den Genuss dieser Schutzklausel, doch dafür ist die Laufzeit auch nur noch kurz. Dass Tui bis dahin seine Anleiheschulden nicht mehr bezahlen kann, gilt als sehr unwahrscheinlich.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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