Die Münchener Rück zapft doch die Börse an
Späte Einsichten

„Verunsicherung ist Gift für den Kapitalmarkt“, lautet die späte Einsicht von Hans-Jürgen Schinzler. Der mächtige Chef der Münchener Rück trat am vergangenen Freitag höchstpersönlich den Rückzug an. Der weltweit größte Rückversicherer wird nun doch die Börse anzapfen und bei seinen Aktionären die staatliche Summe von 3,8 Mrd. Euro sammeln. Die Unsicherheit hat damit ein Ende.

MÜNCHEN. Etwas zerknirscht räumte Schinzler ein, damit dem massiven Druck der Kapitalmärkte nachgegeben zu haben. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte den Marktführer Ende August nach unten gestuft. Der Grund: die angeblich schwache Kapitalausstattung. Der Schock für die erfolgsverwöhnten Assekuranz- Manager war groß. Sie brachen sogar einen öffentlichen Streit mit Standard & Poor’s vom Zaun. Die Berechnungsmethoden der Agentur seien falsch, hieß es in ungewohnter Schärfe. Frisches Kapital sei nicht nötig, man werde sich dem Druck nicht beugen. Noch immer ist Finanzvorstand Jörg Schneider überzeugt, der Konzern sei nach internen Berechnungen ausreichend kapitalisiert.

Die Diskussion war schädlich für den Marktführer aus München. Denn die Branche der Rückversicherer lebt vom Vertrauen in die finanzielle Solidität. Die Kunden, also die großen und kleinen Erstversicherer, müssen darauf bauen können, dass im Fall der Fälle die Münchener Rück auch zahlen kann. Nach langen internen Verhandlungen entschied sich der Vorstand der Münchener Rück doch zu einer Kapitalerhöhung. Für sieben alte sollen die Aktionäre zwei neue Papiere zu einem Preis von mindestens 75 Euro beziehen können – insgesamt 50 Millionen Aktien.

Die Erleichterung war groß. Die Aktie ging am Montag um knapp 7 % in die Höhe, und hielt sich am gestrigen Dienstag noch gut. Ungewöhnlich, geht der Börsenwert nach solchen Ankündigungen doch normalerweise erst einmal auf Talfahrt. Und auch die Analysten überschlugen sich förmlich mit positiven Kommentaren. „Die Unsicherheit ist vorbei, die Position gestärkt“, sind etwa die Experten von Bear Stearns überzeugt. Die deutsche DZ Bank, die französische BNP und die niederländische ABN Amro stufen die Aktie nach oben. Morgan Stanley (ein „Meilenstein“) und Lehman Brothers erhöhten das Kursziel. Und Standard & Poor’s stellten ein wieder besseres Rating in Aussicht.

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