Firmenbonds sind trotz niedriger Rendite attraktiv
Neue Bescheidenheit

Anleger, die vor einem Jahr noch die Qual der Wahl unter Unternehmensanleihen mit hohen Renditen hatten, stehen jetzt ratlos da. Denn die Kurse der Firmenbonds sind inzwischen deutlich gestiegen und die Renditen im Gegenzug gesunken. Deshalb scheinen die Papiere auf den ersten Blick nicht mehr besonders lohnend zu sein.

Dennoch sollten Investoren Unternehmensanleihen nicht abhaken. Aber sie müssen bescheidener werden. Denn Renditen von über sieben Prozent für eine Laufzeit von zehn Jahren sind nun mal passé. Aktuell bieten zehnjährige Firmenbonds im Schnitt Renditen von weniger als fünf Prozent.

Viele Anleger warten deshalb ab und kaufen keine Unternehmensbonds mehr. Ihr Kalkül: Wenn die Notenbanken die Leitzinsen erhöhen, steigen auch die Renditen von Firmenanleihen wieder, weil sich das allgemeine Renditeniveau auf den Kapitalmärkten erhöht. Im Vorfeld der Zinserhöhungen sind die die Renditen der festverzinslichen Unternehmenspapiere tatsächlich schon gestiegen, aber nur moderat.

Wer auf noch weiter steigende Renditen wartet und sein Geld inzwischen am Geldmarkt parkt, lässt sich aber einiges an Rendite entgehen. So liegt die Nominalverzinsung von sechsmonatigen Bundesschatzanweisungen derzeit bei nur gut zwei Prozent. Anleihen von zum Beispiel der Deutschen Telekom und von Telekom Italia, die in drei Jahren fällig werden, bieten dagegen um die 3,50 Prozent Rendite. Die gleichlaufenden Papiere der US-Autobauer Ford und General Motors bringen sogar mehr als 4,10 Prozent. Dabei ist das Ausfallrisiko bei diesen Bonds zwar höher als bei Wertpapieren des Bundes, doch dieses Risiko wird durch die Wahl vergleichsweise kurzer Laufzeiten eingeschränkt.

Der Kauf von kurzfristigen Unternehmensanleihen ist auch deshalb besser als untätig abzuwarten, weil unwahrscheinlich ist, dass die Renditen von lang laufenden Unternehmensanleihen auf absehbare Zeit wieder massiv steigen werden. Dagegen spricht, dass ein Teil der Leitzinserhöhungen schon jetzt an den Rentenmärkten eingepreist ist.

Außerdem sind Zinserhöhungen der Notenbanken unter anderem in der besseren wirtschaftlichen Entwicklung begründet. Die hilft den Unternehmensanleihen, denn wenn die Firmen mehr Gewinne einfahren, können sie leichter ihre Schulden bezahlen. Von daher gelten Unternehmensanleihen in einem positiven konjunkturellen Umfeld als weniger riskant, und die Investoren geben sich mit weniger Rendite zufrieden.

Gestützt werden die Kurse der Unternehmensanleihen auch durch das geringe Angebot an neuen Bonds. Viele Firmen haben sich in den vergangenen Jahren vorfinanziert und brauchen kein frisches Geld vom Anleihemarkt mehr.

Ein Risiko sind natürlich steigende Inflationsraten, die festverzinsliche Anlagen hart treffen würden. Bei kurzfristigen Unternehmensanleihen ist dieses Risiko aber weniger gering als bei lang laufenden Papieren.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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