Fondshandel
Preisvorteil für Informierte

Morgen ist ein wichtiger Tag für Fondsanleger. Wenn die Deutsche Börse den Handel mit Publikumsfondsanteilen aufnimmt, bietet sie Investoren zwar nichts Neues. Denn an den meisten Regionalbörsen können Anleger bereits Fondsanteile wie Aktien handeln. Aber das Handelssegment dürfte an Popularität gewinnen, wenn der größte Handelsplatz im Land mit von der Partie ist.

FRANKFURT. Anlegern bringt der Fondshandel vor allem Kostenersparnis beim Kauf von Investmentfonds. Denn beim Fondserwerb über die Börse entfällt der ansonsten noch immer übliche Ausgabeaufschlag, der bei Aktienfonds oft bis zu fünf Prozent des Anlagevolumens ausmacht. Wer Fonds über die Börse kauft, zahlt einen kleinen Teil davon an Bank- und Maklergebühren, zudem gibt es einen „Spread“ von meist bis zu zwei Prozent, den Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs. Eine Börsenorder von 3 000 Euro kostet nach Einschätzung des Beraters Jan Altmann, Geschäftsführer von Funds@Work, rund 80 Euro, bestehend aus Bank- und Maklergebühren sowie Spread. Über eine Bank müssen Anleger für einen Aktienfonds hingegen bei vollem Ausgabeaufschlag bis zu 150 Euro berappen.

Weiterer Vorteil: Übersicht. An der Deutschen Börse werden 2 600 Fonds gehandelt. Folglich braucht ein Anleger nicht mehr bei verschiedenen Anbietern zu kaufen, sondern erwirbt alle Fonds an der Börse und legt sie in ein Depot.

Der Handel lohnt sich vor allem für Privatanleger, die wissen, was sie wollen und die in gängige Aktien- oder Rentenfonds investieren. Denn für diese Produkte stellen die Makler im Freiverkehr An- und Verkaufspreise mit Spread von in der Regel bis zu einem Prozent. Spezialitäten können hingegen teurer sein. Wer aber kleine Summen in einem Sparplan anlegt, sollte lieber versuchen, Fonds über Online-Broker oder eine Fondsplattform zu verringertem Aufschlag zu bekommen.

Der Börsenhandel mit Fondsanteilen ist schon ohne Deutsche Börse beliebter geworden. In den ersten beiden Monaten 2006 wurden an den Regionalbörsen Hamburg/Hannover, Berlin und Düsseldorf Fondsanteile im Wert von rund 1,4 Mrd. Euro gehandelt. Das macht bereits fast die Hälfte des gesamten Vorjahresumsatzes aus. Gemessen am Fondsumsatz fällt das kaum ins Gewicht; der Fondsverband BVI spricht von weniger als einem Prozent. Doch wenn die Bedeutung zunimmt – Berater Altmann kann sich vorstellen, dass in fünf Jahren bis zu 30 Prozent des Umsatzes über Börsen gehandelt werden – könnte das den Fondsvertrieb wandeln. Bislang betonen Banken, dass der Fondshandel nur etwas für die wenigen „informierten Privatanleger“ sei und weisen auf die Notwendigkeit von Beratung hin. Kundenberater sehen durch die Börsenkonkurrenz ihre satten Vertriebsprovisionen gefährdet. Setzt sich der Fondshandel durch, brauchen Banken und freie Vermittler ein neues Entlohnungssystem für Beratung. Eine vom Fondskauf abgekoppelte Bezahlung guter Beratung wäre nur im Sinne der Anleger.

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