Fundamentaldaten sind wichtiger als die Psychologie
Zweifelhafte Theorie

Börse ist zu neunzig Prozent Psychologie, referierte Börsenguru André Kostolany bis ins hohe Alter. Kein Wunder, wenn weniger erfahrene Aktionäre allein die Launen der Investoren als Entscheidungsgrundlage heran ziehen. Zudem sind Stimmungsindikatoren auch nach der Ära Kostolany als Prognoseinstrumente anerkannt, weil sie manchmal tatsächlich mittelfristige Börsentendenzen im Voraus erkennen - im Gegensatz zum täglichen, sekundenschnellen Auf und Ab der Kurse.

HB DÜSSELDORF. Aber dennoch: Die Stimmung an der Börse kann noch so gut sein - wenn das Geschäftsmodell und die Bilanzdaten eines Unternehmens nicht stimmen, wird es langfristig weniger profitieren als gesunde Wettbewerber.

Im ewigen Duell zwischen optimistischen Bullen und skeptischen Bären haben die letzteren wieder die Oberhand gewonnen. Nach den jüngsten Kurseinbrüchen leben die Sorgen um eine neue Konjunkturkrise wieder auf. Terrorängste verunsichern die Märkte. Die stets präsenten Gefahren hatten die Anleger im Vorjahr einfach ignoriert.

Glaubt man dem State Street Investor Confidence Index, ein Stimmungsindikator, glauben immer weniger Investoren an positive Überraschungen bei den Unternehmenszahlen für das erste Quartal 2004 und neue Höchststände an den Aktienbörsen. Seit Jahresbeginn ist das Vertrauens-Barometer von bulligen 109 auf bärige 92,2 Punkte im März abgestürzt. Das Misstrauen der Anleger nährt Befürchtungen, dass die Rally an den Aktienmärkten beendet ist und weitere Kursverluste drohen.

Nach der Sentiment-Theorie ist das allerdings ein Irrtum. Je höher der Anteil der Pessimisten, desto besser die Marktaussichten, lautet das Credo der Verfechter. Nach deren Meinung müssten die Chancen auf neue Kurssteigerungen derzeit wieder steigen. Dahinter steckt die Vermutung, dass sich die Investoren stets getreu ihrer Markteinschätzung verhalten. Demnach verkaufen die Skeptiker ihre Aktien, während die Optimisten zukaufen. Je mehr Bären am Markt sind, desto mehr Anteile sind bereits veräußert. Als künftige Verkäufer kommen sie nicht mehr in Frage. Umgekehrt bedeutet dies: Wenn die Kurse wieder anziehen, tapsen die Bären auf dem falschen Fuß und müssen ihre Haltung korrigieren - also neue Positionen aufbauen, um keine Gewinne zu verpassen. Ein Balanceakt.

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