Griechische Staatsanleihen
Auch kurze Laufzeiten sind sehr riskant

Aktuell lockt die zweijährige griechische Staatsanleihe mit einer Rendite von 10,5 Prozent. Anleger müssen aber wissen, dass die Risiken extrem hoch sind und sie im Zweifelsfall ihr Geld nicht vollständig, erst später oder mit geringer Verzinsung zurückbekommen. Viele institutionelle Investoren haben ihr Urteil längst gefällt und wollen keine Bonds der gebeutelten Hellenen kaufen.

FRANKFURT. Viele institutionelle Investoren haben ihr Urteil zu griechischen Anleihen längst gefällt und wollen keine Bonds der gebeutelten Hellenen kaufen. Entsprechende Äußerungen gibt es zuhauf. Und ablesen lässt sich dies an den niedrigen Kursen, hohen Renditen und geringen Umsätzen unter institutionellen Anlegern.

Dass die hohen Renditen aber Privatanleger anlocken, zeigt sich daran, dass die zweijährige griechische Staatsanleihe zu den Umsatzspitzenreitern an der Börse Stuttgart gehört, über die viele Kleinanleger Anleihen handeln. Nachvollziehbar ist das bei einem flüchtigen Blick auf die Rendite schon.

Anleger müssen aber wissen, dass die Risiken extrem hoch sind und sie im Zweifelsfall ihr Geld nicht vollständig, erst später oder mit geringer Verzinsung zurückbekommen.

Rendite von 10,5 Prozent verführt

Aktuell lockt die zweijährige griechische Staatsanleihe mit einer Rendite von 10,5 Prozent. Bevor im Mai die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) das 110 Mrd. Euro schwere Hilfspaket schnürten, waren es sogar mehr als 18 Prozent. Heute bietet die zweijährige Griechen-Anleihe aber immer noch fast neuneinhalb Prozentpunkte mehr als eine zweijährige deutsche Bundesanleihe.

Dabei hat das Hilfspaket die kurzfristigen Risiken griechischer Bonds zwar gesenkt, aber nicht eliminiert. Fest steht: Ohne die internationalen Kredithilfen wäre das Land zahlungsunfähig. Die Neuverschuldung Griechenlands lag im vergangenen Jahr bei mehr als 15 Prozent und die Gesamtverschuldung bei über 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Am Kapitalmarkt kann sich Athen schon lange nicht mehr finanzieren. Für die kurzlaufenden Anleihen spricht die Überlegung, dass Griechenland dies zumindest theoretisch dank des Hilfspakets auch nicht muss. Bis 2012 reichen die Hilfen noch aus.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Athen die Sparvorgaben von der EU und dem IWF erfüllt. Experten erwarten, dass es Athen in diesem Jahr gelingen wird, das Haushaltsdefizit um rund sechs Prozentpunkte zu verringern. Mit Blick auf die Zukunft wird das aber zunehmend schwieriger. Die Rezession und die geringen Steuereinnahmen machen es fraglich, dass es Griechenland tatsächlich gelingt, bis 2014 das Budgetdefizit unter die geforderte Marke von drei Prozent zu bringen. Von daher ist auch auf kurze Sicht das Kreditpaket keine Garantie für eine Rückzahlung.

Anleger, die griechische Anleihen kaufen, geben der Regierung einen Vertrauensvorschuss. Darauf setzt Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Er will schon im nächsten Jahr wieder Investoren für neue griechische Anleihen am Kapitalmarkt gewinnen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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