Handelsplatz Nigeria
Angeschlagener Börsenstar

Beim Aktienhandel ist Nigeria einer der aussichtsreichsten Plätze Afrikas. Doch das Handelsvolumen geht seit mehreren Jahren zurück. Staatliche Restriktionen und Korruption machen den Händlern zu schaffen.

KapstadtDie Börse von Nigeria (NSE) erinnert an die Fußballstars des Landes, die Super Eagles. Beide haben das Zeug zur Erfolgsstory, doch beide vergeuden regelmäßig ihr Potenzial. Während die Fußballer gerade die Qualifikation für den Afrika-Cup im nächsten Jahr verspielt haben, ist die NSE trotz des gewaltigen Konsumenten-Potenzials des Landes auf den tiefsten Stand seit Anfang 2010 gefallen. Dabei ist Nigeria mit rund 150 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste Staat Afrikas und weltweit der achtgrößte Ölproduzent. Über 200 Werte werden in der Wirtschaftsmetropole Lagos gehandelt - von Agrarunternehmen über Banken bis hin zu Brauereien.

Dennoch ist der Aktienhandel stark rückläufig: Gegenwärtig liegt das ohnehin geringe Volumen nur noch bei knapp 20 Prozent des Niveaus der Jahre 2007 und 2008 - eine Folge der 2008 von der Börse beschlossenen Handelsrestriktionen. Damals war die Börse wie ein Super Eagle von 25.000 auf über 60.000 Punkte in die Höhe geschossen. Doch ebenso schnell ging sie dann in den Sturzflug. Seit fast drei Jahren bewegt sie sich zwischen 20.000 und 30.000 Punkten - und wenig deutet auf einen neuen Höhenflug hin.

Dies liegt auch daran, dass viele Titel wegen der geringen Liquidität kaum gehandelt werden - und für Ausländer entsprechend unattraktiv sind. Auch können die Kurse wegen einer vor drei Jahren erlassenen Verordnung täglich um maximal fünf Prozent nach oben oder unten schwanken.

Viele der hier notierten Unternehmen sind, wie etwa Nestle Food Nigeria oder Heinekens Nigerian Breweries Töchter ausländischer Konzerne. Der größte Wert ist Dangote Cement, ein Zementhersteller, der wie Dangote Sugar zum weitverzweigten Imperium des Geschäftsmanns Aliko Dangote gehört. Dieser hat ein Milliardenvermögen mit Zucker und Zement, aber auch mit Nahrungsmitteln wie Nudeln gemacht. Besonders beliebt sind trotz aller Skandale noch immer Banken wie Zenith, First City Monument oder die Guaranty Trust Bank, die das Rückgrat der NSE bilden.

Ob die Börse ihr enormes Potenzial erschließt und Nigeria bis 2025 wirklich an Südafrika vorbeizieht, wie Morgan Stanley dies gerade erst wieder prophezeit hat, wird davon abhängen, ob die im April neu gewählte Regierung endlich mit Nachdruck gegen die Korruption vorgeht. Dabei geht es zum Beispiel darum, das enge Geflecht zwischen dem privaten Banksektor und den Aufsichtsbehörden zu zerschlagen. Der aus den USA zurückgekehrte neue Börsenchef Oscar Onyema ist voller Hoffnung, mahnt aber auch zur Geduld, wenn er ein afrikanisches Sprichwort bemüht: Der Rasen wachse auch dann nicht schneller, wenn man an ihm zieht.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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