Kolumne
Der General gerät ins Abseits

Was war die Begeisterung groß, als Anfang Mai erstmals eine General Standard Konferenz in Frankfurt stattfand. Unternehmen, die jahrelang ein Schattendasein fristeten, sahen sich plötzlich riesigem Anlegerinteresse gegenüber.

HB FRANKFURT. Der Grund lag auf der Hand: Nachdem deutsche Nebenwerte seit Jahren boomen und sich die Indizes MDax und SDax kontinuierlich besser entwickeln als der große Bruder Dax, suchten viele Investoren nun eine Stufe tiefer im General Standard nach der berühmten unentdeckten Perle. Schließlich stehen dort 431 Werte den nur 376 Aktien aus dem Prime Standard gegenüber. Die Chance auf ein Schnäppchen war nicht nur deshalb dort ungleich höher.

Inzwischen ist die Schar der „Perlentaucher“ weitergezogen. Neuestes Suchgebiet ist der gerade geschaffene Entry Standard, der neue Teilbereich des Open Markets, der einst Freiverkehr hieß. Mit weniger Regeln und noch kleineren Unternehmen zieht er seit der Einführung vor zwei Monaten die Investoren an.

Verschwindet der General Standard damit wieder aus dem Fokus der Investoren? Zumindest zum Teil, heißt es bei den Experten. Die sprechen inzwischen offen von einer „Sandwichposition“, in der sich der General Standard befindet. Eingekeilt zwischen dem streng reglementierten Prime Standard und dem fast unreglementierten Entry Standard ist der General Standard derzeit zumindest vorerst aus der Mode geraten.

Das liegt auch daran, dass der General Standard etwas im eigenen Saft ruht. Mit dem kleinen Finanzhaus Rothmann zog es in diesem Jahr erst einen Börsenneuling dorthin. Und glaubt man den Experten, dann werden die meisten Kandidaten des Jahrgangs 2006 ebenfalls nur den Prime oder den Entry Standard für ihre Börsenpläne in Erwägung ziehen.

Kein Wunder also, dass die Investoren zuallererst dorthin blicken, wo vermeintlich die Innovationen liegen. Und die sind derzeit in den anderen beiden Segmenten zu finden. Den Prime Standard verstärkten in diesem Jahr 14 neue Werte. Im Entry Standard ist die Zahl der Unternehmen innerhalb von zwei Monaten auf 15 angewachsen.

Erschwerend hinzu kommt die mangelnde Kontinuität im General Standard. Zugpferde, die jedermann bekannt sind, wie Porsche oder Borussia Dortmund stehen Traditionsunternehmen wie die Brauerei Moninger oder der Hans Einhell AG gegenüber. Daneben finden sich Überbleibsel des Neuen Marktes wie Heyde und Ifao neben den bedeutenden ausländischen Konzernen, die hier ein Zweitlisting haben: die niederländische Aegon oder die amerikanische Dow Chemical.

Bei so wenig Homogenität ist es nicht verwunderlich, dass es der General Standard bei der Masse der Anleger auch in Zukunft schwer haben wird. Für echte „Perlentaucher“ herrscht jedoch schon wieder das Umfeld, das sie für eine ungestörte Suche brauchen.

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