Krise der Hypothekenbank AHBR ist eine Belastungsprobe für den gesamten Markt
Pfandbriefe auf dem Prüfstand

Der Fall der angeschlagenen Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) ist ein Test für den Pfandbriefmarkt. Bislang fällt er nicht allzu gut aus.

HB FRANKFURT/M. Denn obwohl Pfandbriefe selbst im Konkursfall als sicher gelten, haben Investoren die Papiere der AHBR in den vergangenen Tagen massiv verkauft. Auslöser für die Turbulenzen ist der geplante Verkauf der Bausparkasse BHW an die Postbank. Ursprünglich wollte die Gewerkschaftsholding BGAG, der BHW und AHBR gehören, beide Institute nur im Paket veräußern. Für die AHBR wird aber noch ein Käufer gesucht, und die Postbank will die Hypothekenbank nicht stützen.

Unter der Hand heißt es, dass eine – nach aktuellem Stand unwahrscheinliche – Liquidation der AHBR für den Markt gut sei. Denn sie würde zeigen, ob das Prinzip der sicheren Pfandbriefe funktioniert. Davon würde der allein in Deutschland fast 1 000 Mrd. Euro schwere Gesamtmarkt profitieren. Pfandbriefe – mit Hypotheken- oder Staatskrediten gedeckte Bonds – leben gerade davon, dass sie auch bei einer Pleite des Emittenten bedient werden.

Grundlage für die Papiere ist das Allgemeine Pfandbriefgesetz. Es regelt unter vielen anderen Punkten genau, dass die zur Deckung der Pfandbriefe reservierten Kredite im Insolvenzfall nicht angetastet werden dürfen. Darüber und über die Zahlungsströme wacht im Pleitefall ein Sachwalter. Hypothekenkredite, die prinzipiell Ausfall gefährdeter sind als Kredite an die öffentliche Hand, dürfen nur zu 60 Prozent des Beleihungswertes als Deckung für die Pfandbriefe genutzt werden. Selbst wenn Hypotheken nach der Pleite einer Bank ausfallen, wären die Pfandbriefe also sicher.

Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch haben zwar ihre Bonitätsnoten für die AHBR drastisch heruntergestuft, die Pfandbriefe über rund 44 Mrd. Euro haben aber weiter die Bestnote „AAA“. Dennoch sind die Risikoaufschläge für fünf- bis siebenjährige Pfandbriefe der Hypothekenbank am Dienstag und Mittwoch um insgesamt gut 0,20 auf bis zu 0,40 Prozentpunkte gegenüber sicheren Bundesanleihen gestiegen. Pfandbriefe anderer Häuser bieten dagegen maximal 0,10 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsbonds. Erst gestern fanden sich wieder Käufer für die AHBR-Papiere.

Für Anleger, die an das Prinzip der sicheren Pfandbriefe glauben, sind die AHBR-Papiere jetzt attraktiv. Das gilt aber nur für Investoren, die diese bis zum Ende der Laufzeit halten wollen. Anderen dürfte es derzeit schwer fallen, die gedeckten Papiere zu vernünftigen Spannen zu verkaufen. Das gilt auch für Jumbo-Pfandbriefe, bei denen sich Banken zum so genannten Market Making in engen, genau vorgegeben Spannen verpflichten. Dass dieses in einer Krise über Tage nicht funktioniert, dürfte noch Diskussionen nach sich ziehen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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