Metro-Aktie kostet mehr als die Konkurrenz
Gut, aber teuer

Die Metro-Aktie ist fast doppelt so teuer wie die Papiere von Karstadt-Quelle oder Douglas. Billig ist Deutschlands größter Handelskonzern damit nicht.

DÜSSELDORF. Die „Mutter aller Schnäppchen“, vom Elektronikfachmarkt Mediamarkt allabendlich im deutschen Werbefernsehen präsentiert, würde die Aktie ihres eigenen Konzerns sicher nicht empfehlen: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22,6 ist die Metro-Aktie, gemessen am zu erwartenden Gewinn des Unternehmens, fast doppelt so teuer wie die Papiere von Karstadt-Quelle (KGV: 12,3) oder Douglas (KGV: 12,9). Billig ist Deutschlands größter Handelskonzern damit nicht, dennoch preiswert?

Die Meinungen an der Börse sind geteilt. 28 % der vom Wirtschaftsdienst Bloomberg befragten Analysten raten zum Kauf, 19 % zum Verkauf der Aktie. Und selbst auf die Veröffentlichung des Quartalsberichts reagierten die Investmenthäuser uneinheitlich. Fideuram Wargny stufte die Aktie hoch, Dexia herunter, und das Bankhaus Lampe ließ die Bewertung trotz überraschend guter Konzernzahlen unverändert.

Die Skepsis mancher Analysten ist nicht unbegründet. Kurzfristig könnte der Höhenflug des Metro-Papiers, das in den vergangenen 52 Wochen um fast 60 % zulegte, einen Dämpfer erhalten. Denn die Aussichten auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft sind alles andere als rosig. „Die Stimmung ist verdorben“, heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Die Umsätze in der Adventszeit würden wohl kaum besser als im vergangenen Jahr. Vor allem die Furcht vor höheren Sozialabgaben und mancherorts auch die Streichung des Weihnachtsgelds drücken die Konsumstimmung.

Schlimmer noch: Die Entscheidung über das Vorziehen der bundesweiten Steuerentlastungen wird voraussichtlich erst fallen, wenn die Geschenke längst verpackt sind. Frühestens am 11. Dezember erwarten Fachleute ein konkretes Ergebnis im Bundestags-Vermittlungsausschuss. Den bescheidenen Einzelhandelsumsatz der ersten neun Monate in Deutschland, so viel ist schon jetzt sicher, wird der Endspurt vor den Festtagen nicht mehr wettmachen.

Metro profitiert weniger von einer vorgezogenen Steuerreform

Zwar liegt Metro mit ihrem Umsatzwachstum bis September deutlich über dem Durchschnitt der Konkurrenz, doch auch für die Düsseldorfer gelten die letzten drei Monate des Jahres als das entscheidende Quartal. So brachten die Verkäufe im Oktober, November und Dezember vergangenen Jahres 69 % des gesamten Ertrags vor Zinsen und Steuern. Wird das Geschäft in der Vorweihnachtszeit ein Flop, trifft dies Deutschlands größten Handelskonzern empfindlich.

Von einer auf 2004 vorgezogenen Steuerreform würde Metro weniger profitieren als viele Wettbewerber. In einer Analyse hat die Hypo-Vereinsbank errechnet, dass die geplante Entlastung bei den Düsseldorfern den Ertrag pro Aktie nur um 6 % verbessern würde. Karstadt- Quelle dürfte sich dagegen über einen Zuwachs von 24 % und Douglas über ein Plus von 10 % freuen.

Der Grund: Metro hat sich durch das Auslandsengagement, das fast die Hälfte des Gesamtgeschäfts umfasst, deutlich stärker von den deutschen Verbrauchern abgekoppelt. Die meisten Wettbewerber würde ein heimischer Konsumaufschwung deshalb mehr beflügeln. Von der Sparwelle profitiert der Konzern derzeit sogar. Denn Tochterunternehmen wie Mediamarkt/Saturn und Praktiker locken mit Billigangeboten – statt mit teurem Service. Sollte das Haushaltseinkommen allerdings wieder steigen, könnten viele Kunden discountorientierten Filialisten den Rücken kehren und zu höheren Preislagen greifen.

Doch das Verhalten der Kundschaft bleibt in jedem Fall ungewiss. Nach einer Umfrage der Marktforschungsfirma Polis könnte der Konjunkturimpuls durch eine vorgezogene Steuerreform sogar nahezu ganz ausfallen. Nur 2 % der Bundesbürger, so fand Polis heraus, wollen nach einer Steuersenkung sofort mehr Geld ausgeben. 81 % planen zudem, ihr Konsumverhalten trotz der zu erwartenden Entlastungen unverändert beizubehalten. Sollte es so kommen, bleibt die Metro-Aktie sicherlich erste Wahl.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%