Multi Media Entertainment AG bietet Genussscheine an – Anleger sollten Emissionen unbekannter Unternehmen genau prüfen
Verschleierte Risiken, ungewisse Renditen

Die Zeiten für Investoren, die lukrative und sichere Anlagen suchen, sind hart geworden. Zwar herrscht an liquiden Anleihen mit gutem Rating und damit geringem Ausfallrisiko kein Mangel, doch viel Rendite gibt es dafür nicht mehr.

FRANKFURT/M. Da fallen „festverzinsliche Wertpapiere“ der Kölner Filmbeteiligungsfirma Multi Media Entertainment AG auf, die in Zeitungsanzeigen beworben werden. Für eine Laufzeit von zwölf Monaten verspricht das Unternehmen eine Rendite von 7,5 Prozent.

Das hört sich lukrativ und sicher an. Doch Anleger sollten solche Angebote genau prüfen, denn hohe Renditen weisen prinzipiell auf ein hohes Risiko hin. Besondere Vorsicht ist zudem angesagt, wenn ein Unternehmen versucht, diese Risiken zu verschleiern. Das ist bei der Multi Media Entertainment AG der Fall. So werben die Anzeigen mit einem „rentenähnlichen“ Rating. Diese Einstufung hat aber mit einem klassischen Rating – der Bonitätseinstufung durch eine der großen Agenturen – nichts zu tun, sondern bezieht sich auf die Einstufung der Wertpapiere bei der Vergabe der Kennnummer (ISIN). Dabei werden verzinsliche Wertpapiere anders klassifiziert als Aktien. Über die Kreditwürdigkeit sagt die Einstufung aber rein gar nichts aus.

Vorsicht ist auch angebracht, wenn – wie im vorliegenden Fall – Privatanleger mindestens 10 000 Euro anlegen sollen. Insgesamt will das Unternehmen zehn Millionen Euro einsammeln. Die müssen aber schon in neun Monaten zurückgezahlt werden, denn die Wertpapiere wurden im Februar 2004 ausgestellt und werden nach zwölf Monaten fällig. So steht es zumindest in den Bedingungen – und die seien rechtsverbindlich, meint Michael Kehl, Anlegeranwalt aus Düsseldorf. Stutzig macht aber dennoch, dass das Unternehmen auf Anfrage erklärt, dass der Vorstand laut Satzung „jederzeit im Rahmen des Beschlusses die Laufzeit sowie die Höhe der Verzinsung verändern kann“.

Auch die Erklärungen des Unternehmens zum eigenen Geschäftsmodell sind fragwürdig. Laut Emissionsprospekt, der sich im Internet unter „www.mme-ag.de“ abrufen lässt, erklären die Kölner mit Beispielrechnungen, wie sich theoretisch mit der Beteiligung an Film- und Fernsehproduktionen viel Geld verdienen lässt. Sie nennen aber keine einzige Produktion, an der sie sich schon beteiligt haben. „Die Angaben sind alle ziemlich unbestimmt, das ist immer ein Warnsignal“, sagt Anlegeranwalt Kehl. Die Firmenstrategie sei mit der von geschlossenen Medienfonds vergleichbar, bei denen Investoren schon oft Geld verloren hätten.

Kehl vermutet, dass in nächster Zeit noch mehr Wertpapiere auf den Markt kommen werden, an deren Seriösität gezweifelt werden kann. „Nachdem Anleger beim Kauf von Aktien am grauen Markt oder bei geschlossenen Fonds vorsichtig geworden sind, entdecken Unternehmen jetzt Zinspapiere.“ Vorsicht sei dabei vor allem bei jungen Firmen – Multi Media Entertainment AG gibt es erst seit gut einem Jahr – mit ehrgeizigen Zielen angebracht.

Stutzig werden sollten Anleger auch, wenn ein Unternehmen sich offensichtlich nicht am Wertpapiermarkt auskennt und keine Banken für die Transaktion einschaltet. Bei der Emission der Multi Media Entertainment AG handelt es sich nämlich um einen Genussschein. Die Kölner verwenden aber die Begriffe Genussschein und Anleihe synonym.

„Das ist höchst unprofessionell“, wundert sich Ralf Burmeister, Genussscheinexperte der Landesbank Baden-Württemberg. Denn während Anleihebesitzer ein Recht auf ihre Zinszahlungen haben, bekommen Genussscheininhaber ihre Ausschüttung nur, wenn ein Unternehmen einen ausreichenden Bilanzgewinn ausweist. Multi Media Entertainment verspricht indes laut Prospekt und Werbung eine feste Verzinsung von 7,5 Prozent plus bis zu zwei Prozent Extrazins, wenn ein Gewinn ausgewiesen wird.

Ob dieser ausgeschüttet werde, entscheide der Vorstand. Auch das ist unüblich. Außerdem sind Genussscheine für Unternehmen nur sinnvoll, wenn sie eine längere Laufzeit haben, denn nur dann können sie auf das Eigenkapital angerechnet werden.

Gehandelt werden können die Genussscheine der Multi Media Entertainment AG nicht. Dafür sind sie als Schmuckpapiere mit einem Oscar hübsch gestaltet. Verdient hat die Emission aber wohl eher den Anti-Oscar – die goldene Himbeere.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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