Ohne Umsatzsteigerungen sind Gewinne wenig wert
Zu kurz gedacht

Der Aktienmarkt atmet auf. Die Berichtssaison für das dritte Quartal ist fast zu Ende, und große Enttäuschungen sind ausgeblieben. Vielmehr zeigen die Einblicke in die Bilanzen der Unternehmen, dass die meisten auf den Wachstumspfad zurückgekehrt sind und die Gewinne wieder steigen.

HB DÜSSELDORF. Den hoffnungsfrohen Börsianern gibt dies – gepaart mit den nach wie vor positiven Konjunkturerwartungen – neuen Auftrieb. Und der Deutsche Aktienindex (Dax) strebt in Richtung 4000, weil der Markt auch für das kommende Jahr mit höheren Unternehmensgewinnen rechnet.

Ein genauerer Blick auf die Bilanzen nach neun Monaten wirft allerdings die Frage auf, wie nachhaltig die deutschen Konzerne wirtschaften. Denn die veröffentlichten Ergebniszuwächse haben einen Makel: Getragen werden sie nach wie vor eher durch Kosten senkende Umstrukturierungen der Firmen als durch eine höhere Nachfrage von Seiten der Verbraucher. Nur in den wenigsten Fällen werden die ermutigenden Gewinnzahlen durch nennenswerte Umsatzsteigerungen getragen. Im Gegenteil: Mehr als ein Drittel der Dax-Unternehmen hat in der Zeit von Januar bis September sogar weniger Umsatzerlöse erzielt. Gestern verabschiedete sich auch der Düsseldorfer Henkel-Konzern von seinem Umsatzziel für 2003. Das angestrebte Wachstum von vier Prozent stelle „eine enorme Herausforderung“ dar, erklärte das Unternehmen.

Für Pessimismus sehen die Unternehmen und mit ihnen das Gros der Marktteilnehmer aber keinen Grund. „Alles halb so schlimm“, lautet ihre Botschaft an die Aktienkäufer. Schließlich seien die geringen Umsätze weitgehend auf die unverändert widrigen Währungsrelationen zurück zu führen. Wenn man die Effekte des starken Euro aus den Bilanzen heraus rechne, sehe das Bild schon wesentlich freundlicher aus, so der allgemeine Tenor.

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