Policen der Lebensversicherer könnten ein Ladenhüter werden
Aktien der Assekuranz hängen am Tropf der Politik

Werden die Versicherer von den demografischen Veränderungen in Deutschland profitieren? Lohnt es sich für Anleger deshalb, deren Aktien zu kaufen? Die Beantwortung dieser Fragen hängt zum Großteil von politischen Entscheidungen ab.

DÜSSELDORF. Sicher ist, die Menschen werden in Deutschland Jahr für Jahr älter. Sicher ist auch, der Staat schränkt die Absicherungsniveaus in Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherung ein. Weil die Menschen auskömmlich und gesund alt werden möchten, ergeben sich aus beiden Trends langfristig lukrative Geschäftsmöglichkeiten für die Versicherer, von denen deren Aktionäre profitieren könnten. Doch mittelfristig droht erst einmal Ungemach von der Politik: Derzeit stehen einige Vorhaben auf der Agenda, welche sich negativ auf das Geschäft von Allianz & Co auswirken könnten. So plant die Bundesregierung im Rahmen der Rentenreform, die Steuervorteile für Lebensversicherungsverträge abzuschaffen. Damit entfiele ein zentraler Anreiz für deren Käufer.

Verlagern diese ihre Altersvorsorge weg von Garantieprodukten hin zu Fondsprodukten, dann hätten die Versicherer wahrscheinlich das Nachsehen gegenüber den Banken. Die Assekuranz verkauft deutlich unprofitabler. So liegt der Ausgabeaufschlag für Mischfonds bei rund 3 % bis 4 %. Die Versicherungsindustrie kalkuliert im Schnitt mindestens ein Drittel mehr an Kosten für Abschluss plus Verwaltung ein. Die Lebensversicherung könnte also endgültig zum Ladenhüter werden. Ohnehin hat das Produkt infolge von Börsenkrise und Pleitekandidaten wie der Mannheimer Leben ein Imageproblem.

Doch die Politiker haben der Assekuranz auch einen neuen Wachstumsstar beschert: Die Branche profitiert derzeit von der Dynamik der Eichel-Rente, also der Verpflichtung eines jeden Betriebes, seinen Arbeitnehmern eine steuerfreie betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der Beschäftigten, welche über eine betriebliche Altersvorsorge verfügen, von 29 % auf 42 % gestiegen. Das Geschäft ist allerdings aufgrund des hohen Wettbewerbs recht margenschwach. Deshalb werden nur die Gesellschaften eine auskömmliche Rendite erzielen, welche über einen entsprechend hohen Marktanteil sinkende Stückkosten in der Verwaltung erzielen können. Unangefochten vorne liegt hier bundesweit die Allianz. Gesellschaften wie Ergo oder AMB Generali kommen dagegen auf geringere Marktanteile als im klassischen Geschäft.

Gewitterwolken ziehen derzeit am Horizont der privaten Krankenversicherer auf. Ein Indiz sind die ganzseitigen Anzeigen, mit denen sich die Branche gegen die Einführung der Bürgerversicherung wehrt. In der Tat steht die Existenz der privaten Krankenversicherer zur Disposition. Sollte eine Bürgerversicherung der privaten Vollversicherung mit Selektierverfahren einen Riegel vorschieben, gingen der Branche nach Schätzungen bis zu 15 Mrd. Euro an jährlichen Prämieneinnahmen verloren. Das Geschäft mit Zusatzversicherungen scheint wegen hoher Verwaltungskosten und Eingriffen des Staates wenig lukrativ. Dies zeigt die Schweiz, wo vor einigen Jahren genau dieser Weg beschritten wurde.

Ob Lebens- oder Krankenversicherung – Anleger sollten in den kommenden Monaten aufmerksam die Politik beobachten.

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