Politisches Tauwetter beflügelt Kurse in Hongkong
Auf sicherem Terrain

Hongkongs Aktienmarkt setzt zum Höhenflug an. Am Dienstag erreichte der Hang-Seng-Index einmal mehr ein 16-Monatshoch, und schon das dritte Quartal in Folge entwickelt sich das Barometer zum Primus unter den internationalen Schwellenmärkten.

PEKING. Dabei sind es weniger fundamentale Daten, die die Kurse bei Rekordumsätzen nach oben spülen, sondern vielmehr eine gute Stimmung bei den Investoren. Immer mehr Beobachter machen erste zarte Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung in der britischen Ex-Kolonie aus. Der Immobilienmarkt, der schon immer Stadt und Börse beherrschte, hat offenbar seinen Boden gefunden. Seit 1997 waren die Preise dort um 70 % gefallen. Verschärft wurde die herbe Preiskorrektur durch die Bindung des Hongkong-Dollars an den Greenback. Das bedeutete für Hongkong eine schmerzhafte Deflation, während andere asiatische Länder durch eine schwache Währung ihre Konjunktur zu stützen versuchten.

Nun scheint sich die Sechs-Millionen-Metropole aus diesem Würgegriff zu befreien. Mehr noch: Die Regierungsmacht China hat beschlossen, Hongkong mit einem Wirtschaftspakt unter die Arme zu greifen. Ein dazu aufgesetzter Vertrag über engere wirtschaftliche Partnerschaft (CEPA) sieht unter anderem vor, dass Chinesen vom Festland die Insel seit Oktober mit 3 000 Dollar anstatt wie bisher mit 2 000 Dollar besuchen dürfen. Die Chinesen dürfen jetzt auch als Individual-Touristen nach Hongkong reisen. Viele von ihnen investieren ihre zusätzlichen Devisen an der Börse und sorgen so für einen Nachschub frischen Geldes.

Dass dieser Zustrom anhalten wird, ist umso wahrscheinlicher, da die Kurse an den chinesischen Börsen in Schanghai und Shenzhen am Boden liegen. Dort hat eine Flut von Neuemissionen den Markt verstopft. Eine Kampagne gegen Korruption fördert zudem immer neue Skandale zu Tage. Und die Regierung zieht die geldpolitischen Zügel wegen drohender konjunktureller Überhitzung an. Erste Analysten warnen gar vor einer harten Landung von Chinas boomender Wirtschaft. Jedenfalls stempelt der Absturz des Shanghai-Composite-Index China im laufenden Jahr zu Asiens schwächstem Aktienmarkt und zum schlechtesten Schwellenmarkt überhaupt ab – ein augenfälliger Kontrast zu Hongkong.

Dort gibt es bei genauer Betrachtung auch einige Fakten, die für eine Konjunkturerholung sprechen. So hat die Arbeitslosigkeit scheinbar ihren Höhepunkt erreicht und der Tourismus erholt sich nach der SARS-Krise schneller als gemeinhin erwartet: Das Passagieraufkommen der lokalen Airlines liegt auf dem Niveau wie vor der Epidemie und die Hotels der Stadt nähern sich erneut Belegungsraten von 80 %. Hinzu kommt, dass in der Politik eine ausgesprochene Schönwetterperiode angebrochen ist – Folge der Großdemonstration gegen ein drohendes Anti-Subversions-Gesetzes, die am 1. Juli 500 000 Menschen auf die Straße gebracht hatte. Der Aufmarsch verbreitete rasant eine „Peoples-Power-Stimmung“, die an den Sturz des philippinischen Diktators Marcos erinnerte. Die Riesen-Demo erschütterte nicht nur die lokale Regierung. Sie zwang auch Peking zu dem Eingeständnis, dass man das umstrittene Gesetz zunächst nicht weiter verfolgen kann. Stattdessen haucht China nun Hongkong wirtschaftlich Leben ein, weil es darin den Schlüssel zu besserem Befinden in der Stadt sieht. Die Bullen sehen das mit Wohlgefallen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%