Problem-Aktien haben oft mehr Potenzial als Stars
Wer zuletzt lacht

Dass Milliardengewinne eines Weltmarktführers nicht immer Kurse beflügeln, ist spätestens seit den Quartalszahlen von Nokia bekannt. Die Aktie stürzte bei der Bilanz zum zweiten Quartal ab, weil der Ausblick des weltweit größten Handyspezialisten enttäuschte. Umgekehrt vermögen bevorstehende Gewinneinbrüche die Kurse nach oben zu treiben. Das gilt sogar für Aktien von Unternehmen, die nach Ansicht der Börse herbe Gewinnwarnungen aussprechen werden.

DÜSSELDORF. VW ist das jüngste Beispiel. Kurzum: Die Börse belohnt nicht die Guten, sondern oft die Schlechten, die vielleicht irgendwann wieder gut werden.

Ericsson ist auch so ein Fall. Der schwedische Dauerkonkurrent von Nokia und einstige ewige Verlierer hängt die Finnen seit mehreren Quartalen ab. Zumindest, was die Kursentwicklung betrifft. Nokia verdient mit über 900 Millionen Euro vor Steuern in einem Quartal zwar immer noch mehr als Ericsson, aber die Schweden haben nach verlustreichen Jahren aufgeholt.

Die Börse urteilt gegenüber Nokia gnadenlos, obwohl die Finnen mit einem Weltmarktanteil von 31 Prozent gerade mal einen Prozentpunkt abgeben mussten. Am Tag der Bilanzveröffentlichung büßte Nokia 15 Prozent seines Wertes ein.

Was zählt, sind weniger Erträge, sondern Tendenzen, Ausblick und Zukunft. Und da haben es Weltmarktführer oft schwerer als Verlierer. Denn wer ganz oben steht, kann eher etwas verlieren, als derjenige, der von weit unten kommt. Nach Milliardenverlusten in den vergangenen Jahren schreibt Ericsson schneller und deutlicher als erwartet wieder schwarze Zahlen. Allein das zählt und gibt dem Kurs Auftrieb. Seit Januar hat sich die Aktie fast verdoppelt. Im gleichen Zeitraum verlor Nokia fast ein Drittel – ohne seine Weltmarktposition einzubüßen.

Dass es sich lohnt, Schwergewichte wie Ericsson ständig zu beobachten, um möglichst früh den Zeitpunkt des Turnarounds zu erkennen, zeigt bald vielleicht auch einmal VW.Der größte europäische Autobauer durchleidet im Moment schwere Zeiten. Mittlerweile sind die Erwartungen an die Wolfsburger so gering, dass es zumindest kurzfristig kaum noch möglich erscheint, diese zu unterbieten. Der Markt – das heißt private und institutionelle Anleger, Händler und Analysten – haben Enttäuschungen der vergangenen Monate längst auf die Zukunft übertragen und damit „eingepreist“. Nach Meinung des Marktes spiegelt also der Kursverlust von 25 Prozent seit Jahresanfang die miserable Situation im Augenblick ausreichend wider.Im Vorfeld der Quartalszahlen am heutigen Freitag legten VW-Aktien dann auch in nur drei Tagen um fünf Prozent zu, ohne dass sich an den schlechten Perspektiven, Zahlen und Bedingungen etwas geändert hat.

Gut sein reicht nicht

Auf die ganz großen Marktführer zu setzen, ist deshalb nur dann richtig, wenn diese immer weiter zulegen und höhere Gewinne erwirtschaften, wie beispielsweise der weltgrößte Speicherchip-Hersteller Samsung. Die Koreaner erhöhten den Gewinn gerade noch einmal um 177 Prozent auf nunmehr 2,2 Milliarden Euro. Und das in einem Quartal!

Doch Samsung ist eine rühmliche Ausnahme. Neben Nokia zeigt auch Intel, wie gefährlich es sein kann, auf Marktführer zu setzen. Der Chiphersteller verdoppelte zwar im abgelaufenen Quartal seinen Gewinn auf 1,8 Milliarden Dollar, musste aber seine Prognose für die Bruttogewinnmarge reduzieren. Ergebnis: Der Kurs brach ein. Die Aktie verlor in den vergangenen drei Wochen über 20 Prozent.

Gut sein reicht also nicht. Das Risiko, Anteile zu verlieren ist groß, wenn man ganz oben steht. Und solche Verluste gehen immer mit schmerzlichen Kurseinbußen einher. Dagegen haben insbesondere finanzkräftige Schwergewichte immer gute Chancen, Krisen zu überstehen und womöglich gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Ein Turnaround zieht an der Börse weit mehr Gewinne nach sich als die bloße Bestätigung eines Erfolges.

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