Profis empfehlen die Verliereraktien der Baisse
Der Letzte wird der Erste sein

Die Experten von Smith Barney empfehlen den Kauf von Aktien, deren Kurse sich in der Baisse am schwächsten entwickelt haben. Ihre Strategie könnte aufgehen.

FRANKFURT. Schnallen Sie sich an, denn die neueste Anlagestrategie der Aktienstrategen von Smith Barney (SB) hat es in sich: „Verkauft die blauesten der europäischen Blue Chips“, fordern die Experten der Citigroup-Tochter. „Kauft Aktien von Unternehmen, deren Kurse und vor allem Gewinne sich in der Baisse am schwächsten entwickelt haben.“ Historisch betrachtet könnte die Strategie aufgehen.

Wer zu den echten Gewinnern zählen will, der muss bereit sein, bei der Aktienauswahl höheres Risiko zu gehen, rät die Studie. So sei es vor zehn Jahren gewesen, als die Aktienmärkte auch auf damals sehr niedrige Leitzinsen reagierten und – bevor die Unternehmensgewinne wieder anzogen – eine veritable Aufholjagd starteten. Der Dax stieg in 15 Monaten um 61 %.

So soll es auch diesmal geschehen. Denn den Beginn einer Niedrigzins- und Erholungsrally wie Ende 1992 machen die Strategen in den Kursgewinnen seit März aus. Mindestens bis 2004 soll die Strategie „Raus aus Blue Chips, rein in Prügelknaben“ aufgehen. Erst wenn die Zentralbanken die Zinswende einläuten – und das sei nicht vor 2004 zu erwarten –, sollten sich Anleger wieder defensiver positionieren.

Und so finden sich auf der Verkaufsliste so illustre und solide Depotstabilisatoren wie BMW, Total, Nestlé, Nokia, Vodafone oder Altana. Zum Kauf empfehlen sie Alcatel, Ahold, Commerzbank, Ericsson oder Deutsche Telekom – Werte, die manch Anleger sich bis März dieses Jahres angesichts ihrer schrecklichen Wertentwicklung lieber nie ins Depot gelegt hätte. Zumindest grenzwertig erscheint die Strategie – was offenbar auch die vom Strategieteam unabhängigen Analysten von SB finden: Sie prognostizieren die Entwicklung der Kandidaten ihrer Kollegen fast umgekehrt. Die vergangenen Monate aber geben dem Strategieteam recht. Ihre Favoriten enteilten den Blue Chips um Längen.

Wird sich diese Entwicklung fortsetzen? Ja, meinen die SB-Experten. Sie stützen ihre Argumentation zum einen auf die Vergangenheit. In der Leitzins getriebenen Rally von 1993 waren es tatsächlich die Prügelknaben der Baisse, die besser liefen als die „soliden“ Werte. Das andere Argument für die Verlierer der Baisse klingt banal. Wer die größten Verluste hatte, muss auch das größte Aufholpotenzial haben, oder noch einfacher ausgedrückt: Die Letzten werden die Ersten sein.

Dies stimmt – unter einer Voraussetzung: Die Gewinne dieser Unternehmen müssen tatsächlich so überproportional steigen, wie sie gesunken waren. Darauf wetten die Experten. Nur dann werden die Titel trotz der Entwicklung der vergangenen Monate weiter überdurchschnittlich steigen. Denn gemessen am KGV werden sie weiter billig erscheinen und neue Käufer locken.

Die Strategen durchforsteten die Aktienlandschaft nach Unternehmen, deren Gewinne am tiefsten unter ihren Gewinndurchschnitt der vergangenen fünf Jahre gefallen sind – in der Hoffnung, dass sich die Gewinne, und damit die KGV, weiter am stärksten erholen. Neben genannten Werten qualifizieren sich auch Roche, KPN, HVB, Bayer oder ABB als potenzielle Outperformer.

So ganz geheuer ist den Strategen ihr Plan aber anscheinend selbst nicht. „Einige dieser Aktien werden sich schwer tun, auf alte Gewinnniveaus zurückzukehren, besonders die TMT-Werte.“ Wer dies ähnlich sieht, bekommt von den Autoren einen Tipp mit auf den Weg: Angsthasen sollen einfach bei ihren Blue Chips bleiben.

„Was nun? Blue Chips oder riskant“, fragt sich der Investor. Manchem wird die Entscheidung leicht fallen. Besonders denen, die die „neuen“ Favoriten mit hohen Verlusten ohnehin noch im Depot haben.

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