Prognosen unterstellen gerne eine Rückkehr zur Normalität – das ist der Haken
Vier Wetten mit Risiken

Aktien steigen moderat, der Ölpreis fällt, und der Dollar wird sich bald wieder erholen. Solche Vorhersagen für das nächste Jahr beherrschen in diesen Tagen die Finanzmärkte. Auch die Einschätzung, dass Zinsen und Renditen an den Anleihemärkten 2005 wieder zulegen, ist bei Experten verbreitet. Die Prognosen klingen plausibel, doch eines ist ihnen gemeinsam: Allen Märkten wird eine Rückkehr zur Normalität unterstellt, Risiken stehen überall außen vor.

Anleihen: Warum sollen sich die Anleihekurse von ihren Rekordhochs lösen und die Renditen wieder steigen? Gleiches wurde vor einem Jahr auch prophezeit – passiert ist das Gegenteil. Und die Reise nach unten kann durchaus weitergehen – auch wenn 3,6 Prozent Rendite für zehn Jahre laufende Bundesanleihen schon extrem niedrig erscheinen. Wenn sich aber Amerikaner weiter gen Euro-Land orientieren, um Währungsgewinne mitzunehmen, und Asiaten weiter Euro-Anleihen kaufen, dann sind Verzinsungen von drei Prozent und weniger keine Utopie. Denn Angebot und Nachfrage bestimmen die Kurse und Märkte.

Öl: Gewohnt sind wir immer noch Preise von 20 und 30 Dollar. Alles darüber gilt als vorübergehender Ausschlag nach oben. Die alten Zahlen im Nacken, prognostizieren Experten, dass sich die Ölpreise bei 30 Dollar einpendeln werden. Das Jahr 2004 hat aber eines gelehrt: Immer mehr Öl wird verbraucht, und die Förderung wird immer schwieriger und teurer. Warum sollen deshalb die Preise fallen? Solange die etablierten Industriestaaten nicht weniger und Asiens Boomländer mehr Öl verbrauchen, sollten wir eher 50 als 30 Dollar veranschlagen.

Dollar: Der Greenback fällt, und der Euro steigt, weil Amerika über seine Verhältnisse lebt, also mehr ein- als ausführt und sich enorm verschuldet. Solange sich daran nichts ändert, werden die Märkte keine gegenteilige Wette annehmen und den Trend umkehren. Bislang geben die USA keine Entwarnung.

Aktien: Leicht steigende Unternehmensgewinne und die niedrige Bewertung in Europa sprechen dafür, dass Aktien 2005 leicht zulegen könnten. Eine Dividendenrendite von im Schnitt knapp drei Prozent sichert die Kurse zudem nach unten ab. Doch auch hier gibt es einen Haken: Wenn sich in den USA die Ungleichgewichte vergrößern, der Dollar weiter steigt und zudem das Öl teurer wird, werden auch die Aktienmärkte nicht verschont bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%