Promoter von Rohstoffgesellschaften
Auf der Suche nach „dummen Anlegern“

Derzeit ist es wieder einmal so weit. Promoter von Rohstoffgesellschaften aus Australien, Südafrika und Kanada befinden sich während ihrer Europa-Tour auf der Suche nach „dummen Anlegern“.

FRANKFURT. Wer mit euphorischen Gefühlen in höheren Gefilden schwebt, gilt als Lebenskünstler. Ein solcher Zustand ist jedoch nicht ungefährlich. Denn schon per definitionem kann der Euphorie als Zustand des gesteigerten Hochgefühls später nur die Abkühlung folgen. Glück dauert nun mal nicht ewig, sondern hat vielmehr oft eine recht kurze Halbwertszeit. Manchmal spitzen sich die Dinge dramatisch zu und das Pendel der Übertreibung schlägt in die andere Richtung. Anleger kennen solche leidvollen Erfahrungen emotionaler Berg- und Talfahrten.

Die mit den Abläufen in den Denk- und Entscheidungsprozessen von Anlegern bestens vertrauten PR- und IR-Agenturen – Promoter also – nutzen dieses Wissen. Derzeit ist es wieder einmal so weit. Promoter von Rohstoffgesellschaften aus Australien, Südafrika und Kanada befinden sich während ihrer Europa-Tour auf der Suche nach „dummen Anlegern“.

Die Promoter haben wieder einmal ein exzellentes Timing erwischt. Denn die Anlageklasse Rohstoffe ist in aller Munde. Das Interesse an Investments in Substanzwerten wie Rohstoffen ist durch die seit rund vier Jahren anhaltende Commodity-Hausse vorhanden. Zudem: Durch die jüngste Minuskorrektur erscheint der Einstieg in Rohstoffunternehmen interessant.

Das Tempo dieses Zuges nutzen immer mehr Explorationsfirmen. So ein kanadisches Goldunternehmen, das im afrikanischen Land Eritrea Landflächen abgesteckt und exploriert hat. Mit dem Produktionsbeginn sei frühestens in zwei Jahren zu rechnen, wird berichtet. Zuvor jedoch sei eine Investition von 20 Mill. Dollar erforderlich. Das Geld steht natürlich nicht zur Verfügung. Man habe eine finanzstarke schwedische Rohstoffgruppe als Großaktionär und interessierten Partner, lautet die vage Andeutung über die Lösung der Finanzierungsprobleme. Für den vorsichtigen Anleger sind dies viel zu viele „Wenn und Aber.“

Tollkühn sind die Promoter jenes Rohstoffexplorers aus Kanada, bei der ein Ex-Banker aus der Schweiz Präsident ist. Es sei klar, dass ein ausgesuchtes Explorationsprojekt in Mexiko Gold aufweise. Wie viel, das wisse man natürlich nicht, weil man nicht exploriert habe. Man wisse aber, dass die im Rahmen eines IPO zu 0,75 Dollar angebotenen Aktien am ersten Börsentag bei 1,50 Dollar eröffnen würden und eine „Preisentwicklungsstrategie“ den Kurs später auf zehn Dollar treibe. Aha! So einfach ist es also, an der Börse Geld zu verdienen.

Mit solchen Reichtums-Formeln will man die Anleger für dumm verkaufen. Da verdienen jene kanadischen Unternehmer Lob, die mit deutlicher Zurückhaltung Details ihres bereits produktiven Gasvorkommens in Utah nennen. Aus dem Cash-flow sollen weitere Bohrungen und andere Projekte finanziert werden. Die Aktie werde die Erfolge über kurz oder lang zeigen, daher verzichtet das Unternehmen auf „heiße Promotion“.

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