Sberbank-Aktien sind jetzt auch in Deutschland zu kaufen
Moskaus Moloch

Sie ist ein Moloch – doch die Anleger lieben sie: Russlands Staatssparkasse Sberbank. Die Aktien des nach Kapital (149 Mrd. Rubel) und Aktiva (1,5 Bill. Rubel) mit Abstand größten Kreditinstituts des Landes haussieren schon seit Jahren. Nun sollen auch westliche Aktionäre in den Genuss kommen.

MOSKAU. Die Deutsche Bank hat mit ihrer Beteiligung Vereinte Finanzgruppe (UFG) in Moskau international handelbare Anteilsscheine der Bank an die Börsen gebracht, die in Deutschland in Berlin und Bremen angeboten werden.

Zunächst gelangten 1,32 % der Sberbank-Aktien in Form von Global Deposit Receipts (GDR), die wie Aktien gehandelt werden, aufs westliche Parkett. Doch es gibt eine Option auf 19,9 % der Anteilsscheine für den Westen. Ein höherer Anteil würde eine Genehmigung der Zentralbank (ZB) erfordern, die mit 64 % größter Anteilseigner der russischen Großbank bleibt. Vor 2007 werde es auch keine Privatisierung der Sberbank geben, hat ZB-Vize Andrej Koslow kürzlich noch einmal klar gemacht. 10 % des Kapitals halten ausländische Aktionäre – der Anteil dürfte jetzt wachsen.

Das GDR-Programm „ist sehr positiv für die Bank“, meint Sergej Suchanow, Händler der russischen Zenit-Bank. „Die Sberbank wird wegen der internationalen Regeln transparenter und sollte dann auch besser gemanagt werden.“ Damit aber steht es nicht zum Besten: Die restriktive Dividendenpolitik des Sberbank-Chefs Andrej Kasmin ließ kürzlich – binnen Stunden – den Kurs der Aktie um 5,7 % einbrechen. Und der unabhängige Aufsichtsrat Wadim Klejner verlangt vom Top- Management, die wild wuchernden Ausgaben des Riesen drastisch zu senken, die Profitabilität und damit die Ausschüttungen an die Aktionäre endlich zu erhöhen. Vor allem aber müsse das Management damit aufhören, Kredite unter Marktpreis zu gewähren.

Im Jahr 2003 steigerte die Bank den Reingewinn um 2,5 auf 33,7 Mrd. Rubel (975 Mill. Euro). Positiv wird vom Markt zudem aufgenommen, dass durch den Gang an die Westbörsen auch die Liquidität der Sberbank-Papiere deutlich steigt. Allerdings wächst inzwischen auch die Konkurrenz für den bisherigen Quasi-Monopolisten: Bislang hatte nur er durch die Deckung vom Staat eine Einlagensicherung. Per Gesetz müssen künftig aber alle Banken in Russland einen gemeinsamen Fond schaffen – und die Sberbank wird in diesen kräftig einzahlen müssen.

Und so sind Moskaus Analysten zerstritten über den weiteren Kursverlauf für die Sberbank-Aktien, die in diesem Jahr bereits 69 % zugelegt haben und sich mit 430 $ dem Allzeithoch von 452 $ nähern. Die Investmentbank Nikoil würde 445 $ als „fairen Preis“ sehen. UBS Brunswick stufte das Kursziel auf 500 $ hoch, nahm aber die Empfehlung von „Kaufen“ auf „Halten“ zurück.

Doch zurzeit weiß ohnehin niemand so recht, wie er mit russischen Aktien umgehen soll: „Es gibt ganz ohne Zweifel eine Blase am russischen Markt“, wiederholte der Chefanalyst von Finmarket, Andrej Lusnikow, die Warnungen des Wirtschaftsministers German Gref. „Aber die große Frage lautet, wann sie platzt.“

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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