Teure Schnäppchen
Vertreter verbreiten wieder Schlussverkaufsstimmung

Zeitdruck ist grundsätzlich ein schlechter Ratgeber, wenn es um Geschäfte geht. Geradezu fatal aber ist ein Schnellschuss oft dann, wenn der Käufer sich gleich über mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte bindet. Dann potenziert sich ein kleiner Ausgangsfehler schnell zu einer kapitalen Fehlinvestition. Drum: Augen auf im Schlussverkauf, vor allem wenn der Versicherungsvertreter damit wirbt!

Denn gegen Jahresende schwärmen die Vermittler besonders gern aus, weil zu Neujahr mit schöner Regelmäßigkeit gesetzliche Änderungen greifen, sei es, dass eine beliebte Zulage gestrichen oder eine Steuervergünstigung gekürzt wird. Im Vorgriff auf derart schlechte Nachrichten – das belegt die Erfahrung – boomen Finanzgeschäfte besonders leicht. „Vorzieheffekt“ nennen das die Fachleute. Man erinnere sich nur an die Verkaufserfolge der Immobilienfonds vor Abschaffung der Ostförderung oder der auf Verlustzuweisungen basierenden Steuersparmodelle. Viele Kunden haben solche vermeintlichen Last–Minute-Schnäppchen später teuer bezahlt. Auch die jetzt dank der Koalitionsverhandlungen erneut ins Gespräch gekommene Eigenheimzulage ist schon seit Jahren ein beliebter Klassiker.

Ein besonders ausgefallenes Schlussverkaufsargument haben diese Saison die Versicherungsvertreter im Koffer: der Unisextarif für Riester-Policen. Das heißt, Männer und Frauen müssen ab 2006 – als Konsequenz einer EU-Gleichstellungsrichtlinie – die gleichen Prämien für private Rentenversicherungen bezahlen. Das Verkaufsargument der Vertreter lautet nun: Männer finanzieren ab 2006 die längere Lebenserwartung der Frauen mit. Das haben die Damen bisher allein geschultert, sprich sie haben für die gleiche Monatsrente etwa 15 Prozent mehr an Beitrag zahlen müssen als ihre männlichen Altersgenossen. Dafür beziehen sie die Rente im Schnitt auch einige Jährchen länger.

Die Forderung nach gleichen Preisen für alle bedeutet nun, dass die Riester-Rentenversicherung für Herren ab 2006 etwas teurer, für die Damen – allerdings wohl nur vereinzelt – ein klein wenig billiger wird. Na, wenn das kein gutes Verkaufsargument für männliche Kunden ist?

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