Transparenz und niedrige Kosten
Bei Zertifikaten kommt die „Black Box“ in Mode

Allen Beteuerungen der Emittenten zum Trotz: Auch mit Zertifikaten werden Überrenditen nur durch ein erhöhtes Risiko erkauft.

DÜSSELDORF. Seit den erfolgsverwöhnten Emittenten von Zertifikaten der Wind des Marktes schärfer um die Nase weht, verwässern immer mehr Emittenten mit immer komplizierteren Produkten ausgerechnet das, was Zertifikate einst zu einem beliebten Anlageprodukt gemacht hat: Transparenz und niedrige Kosten.

Die Konstruktion neuer Zertifikate ist oftmals nicht nur undurchsichtig. Hohe Renditeversprechungen und Schlagworte wie „Kapitalschutz“, Mindestzinsen und „Chancen in einem Papier“ verschleiern zweierlei: Erstens bleibt im Dunkeln, was Anleger für die oftmals wohlklingende Strategie der Zertifikate tatsächlich an Gebühren entrichten. Zweitens sind auch Emittenten keine Alchimisten. Überrenditen gegenüber sicheren Anlagen erkaufen sich Zertifikate-Investoren stets über ein höheres Risiko.

Käufer von Zertifikaten können sich dabei an die einfache Faustregel halten: Je komplexer ein Produkt, desto eher hat der Emittent die Möglichkeit, neben den sichtbaren Kosten wie Ausgabeaufschlag und der Differenz zwischen An- und Verkaufskurs noch an weiteren Faktoren zu verdienen, die er gegenüber dem Anleger verstecken kann.

Der Trend hin zum immer schwerer verständlichen Produkten verwundert nicht. Das Gros der Zertifikatekäufer ist gut informiert, hat kaum Beratungsbedarf und setzt mit Zertifikaten eine Anlagemeinung um, die er sonst nur mit hohem Aufwand oder gar nicht abbilden kann. Allerdings: Um sich neue Käufergruppen zu erschließen und den zuletzt sinkenden Umsatz wieder anzukurbeln, müssen Produkte der Zertifikate-Emittenten gleichberechtigt am Bankschalter mit der Konkurrenz aus dem Fondsbereich vertrieben werden. Das gelingt nur, wenn die Emittenten über kurz oder lang Provisionsmodelle einführen können, wie sie seit Jahren bei Investmentfonds funktionieren. Um dann aber den Gebührenvergleich mit aktiv verwalteten Fonds zu bestehen, verschieben die Banken ihre Ertragsquellen bei den Zertifikate mehr und mehr in das Schattenreich der Finanzierungs- und Transaktionskosten. Mehr noch: Viele Innovation sind schlicht und ergreifend Fonds im Zertifikatepelz.

Jüngstes Beispiel ist das Income Plus Zertifikat der Citigroup. Hinter dem Zertifikat mit der werbewirksamen „Zielrendite von 7,2 Prozent“ verbirgt sich die Abbildung eines Portfolios aus dividendenstarken Aktien sowie Anleihen, deren jeweilige Gewichtung der aktuellen Marktlage angepasst wird. Diese aktive Strategie verfolgen auch viele Manager ertragsorientierter Investmentfonds. Noch weiter geht ABN Amro: Die Niederländer verbriefen mit dem jüngst emittierten ZJPortfolio-Strategie-Zertifikat eine aktive Verwaltung eines Zertifikate- Portfolios. Die Informationsbroschüre stellt Kapitalschutz und Renditeoptimierung in Aussicht und erlaubt dem Management, in jeden denkbaren Markt der Welt bis hin zu den unvermeidlichen Megatrends Bio- und Nanotechnologie zu investieren.

Derlei Marketingphrasen täuschen nicht darüber hinweg, dass es sich um ein gemanagtes Depot unter dem Deckmantel eines Zertifikats handelt – mit den entsprechenden Gebühren. Pro Jahr entrichten Anleger für das Management 1,5 Prozent zuzüglich Transaktionskosten von bis zu einem Prozent. Das ist mehr, als selbst erstklassige Investmentfonds verlangen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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