Travelzoo-Aktie: Einst eine Werbe-Gag, heute gesucht
Geschenk-Papier

Es war einmal ein findiger deutscher Unternehmer. Der hieß Ralph Bartel und gründete Mitte der neunziger Jahre ein kleines Internet-Unternehmen namens Travelzoo.com. Nichts Großartiges, ein Internetportal zum Thema Tourismus und Reisen. Doch welche Idee musste schon großartig sein in den wilden Zeiten der New Economy – Hauptsache sie hatte irgendwie mit dem Internet zu tun.

DÜSSELDORF. Da neugegründete Unternehmen jedoch wie Pilze aus dem Boden schossen, war vor allem eine gute PR das A und O des Unternehmenserfolgs. Um Travelzoo.com bekannt zu machen, kam Bartel daher 1998 auf die Idee, jedem, der die Seite seines kleinen Unternehmens besuchte und dabei seine persönlichen Daten zurückließ, drei Travelzoo-Aktien zu schenken. Einfach so! Wer auch noch Freunde und Bekannte in den Travelzoo schickte, der bekam sogar zehn Aktien.

700 000 Aktien fanden so den Weg aus dem Netz zu Anlegern, denen der findige Unternehmer einen ordentlichen Reibach versprach. Es war die Zeit, als die Geldbeutel der Finanziers von Dotcom-Unternehmen noch locker saßen, als Analysten an immer neuen Bewertungskennzahlen bastelten und die Zeitungen noch dick waren, wegen der vielen Anzeigen, die die Unternehmen, ob alt oder neu, schalteten. So dick, dass selbst die New York Times und das Wall Street Journal Platz hatten, über das kleine Unternehmen zu berichten. Und auch das Handelsblatt schrieb über Travelzoo.com: Gewohnt kritisch bezeichnete der damalige Autor die Geschenkaktion Bartels als „Bauernfängerei“.

Das war richtig, denn streng genommen waren die verschenkten Anteilsscheine ja auch nichts wert, schließlich war der Unternehmer damals noch nicht so weit, dass er sein kleines Unternehmen an die Börse bringen konnten. Es gab somit keine Möglichkeit, Travelzoo-Papiere zu verkaufen und niemanden, der sie kaufen würde.

Für viele der Beschenkten waren die „Aktien“ weniger wert als eine Pfandmarke aus dem Supermarkt, die sie zu Hause in irgendeiner Ecke verlegen. So geriet das kleine Unternehmen schnell in Vergessenheit. Bartel war zwar findig, aber nicht findig genug, um aus seinem kleinen Unternehmen ein großes wie Ebay oder Yahoo zu machen. Die meisten Menschen, die über das Internet ihren Urlaub buchten, wollten dazu partout nicht Travelzoo nutzen.

Aber Bartel war gut genug, sein kleines Unternehmen, dass sich mit Werbeangeboten von Fluggesellschaften und Mietwagenfirmen finanzierte, irgendwann in die schwarzen Zahlen zu hieven. Und im August 2002 war es endlich soweit: Travelzoo kam an die Börse. Erst einmal nur im OTC-Handel, das ist so etwas wie ein Bauchladen an der Wall-Street. Doch Bartel blieb am Ball. Irgendwie schaffte er in diesem Jahr den Sprung aus dem Bauchladen bis an die Nasdaq, der größten Technologiebörse der Welt.

Und plötzlich war das Unternehmen sogar etwas wert, denn den ersten Aktienkurs stellte einer der Nasdaq-Computer mit 8,65 Dollar fest. Doch das war erst der Anfang. Die Travelzoo-Aktien wurden immer wertvoller. In den vergangenen Tagen trieben waghalsige Spekulanten den Kurs in der Spitze auf sage und schreibe 27,25 Dollar.

Nun weiß noch nicht mal der findige Unternehmer so genau, warum sein kleines Unternehmen auf einmal 529 Millionen Dollar kosten soll. Er weiß nur, dass sich viele Menschen ärgern, vor allem diejenigen, die damals Freunde und Bekannte in den Travelzoo schickten. Diese Menschen würden heute an der Börse fast 180 Euro für ihre zehn Gratis-Aktien von damals bekommen – wenn sie denn ihre Geschenk-Papiere zum Start an der Nasdaq in „richtige“ Aktien umgetauscht haben. Doch das haben nur die wenigsten. Ralph Bartel hat seine 13 Millionen Aktien alle getauscht und ist ein reicher Mann bis an sein Lebensende – wenn er denn rechtzeitig verkauft.

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