Verkäufe der Manager sind kein Grund zur Panik
Insider-Know-how

Wenn Firmenchefs anfangen, ihre Anteile am eigenen Unternehmen zu verkaufen, werden Analysten und Investoren hellhörig. Schließlich haben die Führungskräfte den besten Einblick in die Geschicke des Unternehmens. Dass solche Insiderverkäufe derzeit in Rekordumfang stattfinden, hat sich herumgesprochen.

DÜSSELDORF. In den USA, wo Insiderhandel wie in keinem anderen Land an der Tagesordnung ist, standen im abgelaufenen Quartal Aktienkäufen im Umfang von 0,8 Mrd. $ Verkäufe in Höhe von 18,9 Mrd. $ gegenüber. Damit haben Direktoren und Vorstände von Juli bis September 23 Mal mehr Aktien ihrer eigenen Firma verkauft als gekauft. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal wurden von Führungskräften „nur“ viereinhalb Mal mehr Aktien verkauft als gekauft. Die Insiderverkäufe befinden sich damit auf einem Rekordhoch. Die Stimmung in den Vorstandsetagen ist eindeutig negativ. Doch das ist nicht unbedingt als Signal zu werten, aus Aktien in breiter Front auszusteigen.

Die Frankfurter Vermögensverwaltung VCH Equity Group macht sich regelmäßig die Mühe, Insiderverkäufe genauer zu analysieren. Mehrere Effekte hätten zu der Verkaufslawine geführt, sagt der Leiter des Asset Management Volker Dietrich. Zum Einen sei sie ein direkter Spiegel der hohen Kauflust im Frühjahr, als Aktien extrem günstig waren. Insider müssen nämlich nach US-Recht ihre Anteile sechs Monate halten, bis ihren Gewinn realisieren dürfen. Zum Zweiten gelten die Monate Juli und August historisch als verkaufslastige Monate. Führungskräfte, die zum überwiegenden Teil in Form von Aktienoptionen bezahlt werden, machen diese Optionen gerne vor den traditionell schwachen Herbstmonaten zu Geld. Das trifft vor allem für die High-Tech-Branche zu.

Sortiert nach Branchen waren aus diesem Grund zuletzt auch Hardware- und Softwarefirmen besonders stark von Insiderverkäufen betroffen. Dort fanden in den vergangenen Monaten praktisch nur noch Verkäufe statt. Deutlich beschleunigt haben sich die Verkaufsaktivitäten auch im Telekom-Bereich und in der Pharmabranche. Dagegen ist das Verhältnis zwischen pessimistischen und optimistischen Insidern im Energiesektor und in der Finanzbranche fast stabil geblieben.

Damit ergibt sich ein differenziertes Bild. Auch jetzt kann es sich noch lohnen, in einzelne Bereiche zu investieren. Assetmanager Dietrich hält beispielsweise Energieversorger wie Dominion Resource und First Energy in dem von ihm verwalteten Fonds, den er allein an Insidertransaktionen orientiert. Er hat jüngst auch Werte aus der Pharmabranche und dem Finanzdienstleistungsbereich gekauft. Dabei blickt er nicht nur auf die nackten Kauf- und Verkaufszahlen, sondern beachtet auch, ob die Aktionen von Profis getätigt wurden, die routinemäßig ein- und aussteigen. Mit dieser Methode hat er seit Auflage des Fonds Ende 2001 nach Angaben der Ratingagentur Morningstar positive Renditen erzielt, die deutlich über dem Durchschnitt seiner Klasse lagen.

Dennoch: Einen brauchbaren Hinweis auf die Gesamtrichtung der Märkte geben Insideraktivitäten allemal. Marktstratege James Montier von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein hat über einen Zeitraum von acht Jahren einen klaren Zusammenhang zwischen den Aktionen der Manager und der Entwicklung der Märkte festgestellt. Der Insiderhandel tauge zwar nichts für langfristige Prognosen, aber er weise die Richtung für einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Die Verkaufswelle gib Grund alarmiert zu sein. Panik ist jedoch nicht angesagt.

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