Vom Mono- zum Multimarkenhersteller
Campari - was sonst?

Die Aktie des italienischen Getränkeherstellers profitiert von einer klugen Strategie.

MAILAND. Die italienischen Momente im Leben haben Dauerkonjunktur: Hier eine Pasta, dort ein Espresso und vor dem Essen natürlich ein Aperitivo. Von diesem Zeitgeist profitiert der Getränkehersteller Davide Campari aus Mailand – seit 1860. So richtig stürmisch gewachsen ist das Traditionshaus aber erst seit 10 Jahren. In diesem Zeitraum hat sich der Umsatz dank einer aggressiven Expansionsstrategie auf 660 Mill. Euro vervierfacht. Und 2003 wird das Unternehmen, das für seine bitter-roten Aperitif berühmt ist, voraussichtlich die 700 Mill. Euro-Marke knacken und damit seine Position als sechstgrößter Spirituosenhersteller der Welt festigen. Für die Aktionäre sind dies gute Aussichten, hat sich das Papier doch seit dem Börsengang vor zwei Jahren stets besser entwickelt als der Mailänder Mibtel-Index.

Keiner der weltweit tätigen Schnapskonzerne weist im Vergleichszeitraum eine bessere Performance auf als Campari. Allein in den letzten sechs Monaten hat der Kurs um 20 % zugelegt. Trotz der jüngsten Rally beträgt die Rendite auf Basis der letztjährigen Dividende noch immer 2,5 %. Der defensive Charakter der Aktie und die vorzügliche Strategie des Managements um Vorstandschef Marco Perelli-Cippo sprechen dafür, dass Campari auch in Zukunft ein interessantes Investment bleiben dürfte.

Die vor kurzem publizierten Halbjahresergebnisse waren erneut Indiz dafür: Trotz der schwierigen Weltkonjunktur hat Campari in dieser Zeit seinen Umsatz um 8,5 % auf 332,7 Mill. Euro und das operative Ergebnis um 6 % auf 57 Mill. Euro gesteigert. Hätte der Euro im Vergleichszeitraum nicht gegenüber dem Dollar um 19 % und gegenüber dem brasilianischen Real um 39 % gewonnen, sowohl Erlös als auch Ertrag wären um fast 17 % gestiegen. Campari macht heute bereits knapp ein Drittel seines Geschäfts in Amerika, unterliegt also entsprechenden Währungsrisiken.

Analysten loben vor allem die Struktur des Zahlenwerks. War Campari in der Vergangenheit ein Monomarkenunternehmen, das in erster Linie auf dem Heimatmarkt tätig war, so handelt es sich heute um einen Multimarkenkonzern, der mit diversen Produktgruppen in 190 Ländern präsent ist. Alle Bereiche – Spirituosen, Weine und Softdrinks – wachsen mit einer Rate von mindestens 6 %. Zudem haben die Auslandsmärkte – vor allem in Europa und Amerika – den Heimatmarkt als Umsatztreiber abgelöst. Die Bekanntheit und Qualität der Marken ist dank eines konstant hohen Marketingbudgets (20 % der Umsätze) beachtlich: Campari, Cinzano, Ouzo 12, Cynar, die Weinkellerei Sella&Mosca und in den USA Skyy Wodka. Zuletzt hat Campari diverse lokale Marken in Südamerika zugekauft. Weitere Akquisitionen sollen folgen. Die Kriegskasse ist nach der erfolgreichen Platzierung eines 300 Mill. Euro-Bonds gut gefüllt.

Die Risiken? Erstens ist die Aktie mit einer Bewertung von 35 Euro dem Kursziel vieler Analysten von 38 Euro bereits sehr nahe. Zweitens erholen sich für Campari wichtige Märkte – allen voran Deutschland – langsamer als erwünscht. Drittens steigt die Konkurrenz bei den vorgemixten alkoholhaltigen Trendgetränken, wo der Konzern mit der Marke Campari Mixx vertreten ist. Viertens schließlich wird CEO Perelli-Cippo im Frühling 2004 in Rente gehen. Für die Aktionäre bleibt zu hoffen, dass sein Nachfolger Enzo Visone – ein langjähriger Wegbegleiter des charismatischen Konzernlenkers – nahtlos in dessen (große) Fußstapfen treten wird.

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