Wall-Street-Häuser spekulieren auf eigene Rechnung
Hoher Einsatz

Im Spätsommer 1998 herrschte in vielen Handelsräumen großer Wall-Street-Banken Weltuntergangsstimmung. Der Grund: Russland ließ seine Währung und Anleihen abstürzen – zum Schrecken vieler US-Banken und Hedge-Fonds.

NEW YORK. Einer der größten und aggressivsten Hedge-Fonds, Long Term Capital Management (LTCM), musste damals in einer einmaligen Aktion von den großen Wall-Street-Häusern gerettet werden. Denn der drohende Kollaps von LTCM bedrohte das gesamte Finanzsystem.

Heute, sechs Jahre später, bauen die Wall-Street-Banken den Eigenhandel – also das Spekulieren auf eigene Rechnung – nach einer langen Ruhepause wieder aus. Und sie verdienen damit bislang glänzend. Doch die Aktienkurse der US-Investmentbanken sind in den vergangenen Wochen stärker gefallen als der Gesamtmarkt. „Investoren fürchten, dass eine Bank angesichts turbulenter Märkte auf die Nase fallen könnte“, sagt Neal Epstein von Overture Asset Management.

Diese Ängste sind offenbar nicht ganz unberechtigt, denn hinter vorgehaltener Hand räumen US-Banker ein, dass der Eigenhandel gefährlicher geworden ist. Grund: die heftigen, kaum kalkulierbare Ausschläge bei Anleihen, ausgelöst durch Spekulationen um eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank. Investmentbanken, die auf der falschen Seite investiert sind, kann das unkalkulierbare Auf und Ab der Kurse schnell aus der Kurve werfen – und damit auch die Anleger, die deren Aktie im Depot haben. Zwar haben die Handelsabteilungen ihr Risikomanagement seit der LTCM-Krise verbessert. Doch gleichzeitig erhöhen die Wall-Street-Häuser und ihre europäischen Konkurrenten ihr Risiko bewusst. Das schlägt sich im so genannten „Value at Risk“ (VAR) nieder. Diese Zahl gibt an, welchen maximalen Verlust eine Bank an einem Tag erwartet. Bei Goldman stieg der VAR zum Beispiel im ersten Quartal auf 71 Mill. $.

Der Druck, den Eigenhandel auszubauen, ist enorm. Denn die Mar-gen im klassischen Investment-Banking sinken seit Jahren. Selbst die Königsdisziplin, die Beratung bei Fusionen und Übernahmen (M&A), leidet unter der wachsenden Konkurrenz durch die großen US-Player wie Citigroup und JP Morgan Chase. Sie wildern mit Kampfpreisen im Revier der etablierten Häuser.

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