Warum Aktionäre des Luxuskonzerns ihre Papiere verkaufen sollten
Gucci glanzlos

Aktien des italienischen Luxusgüterkonzerns Gucci galten lange Zeit als ebenso glamourös wie die ledernen Taschen und Gürtel, auf denen das Logo mit dem doppelten G aufgenäht ist.

HB MAILAND. Und trotz der Flaute an den Märkten, die auch das in Amsterdam gelistete Unternehmen schwer getroffen hat, können Langfristanleger nicht klagen: Immerhin hat das Papier in den letzten fünf Jahren seinen Wert mehr als verdoppelt. Doch die Party ist vorbei.

Gucci ist keine interessante Investition mehr. Denn erstens steht der Konzern demnächst kopflos da. Das charismatische Führungsduo – Präsident Domenico De Sole und Chefdesigner Tom Ford – haben ihre Verträge nicht verlängert und werden Gucci im kommenden Frühling verlassen. Während Manager De Sole zwar als wertvoll aber ersetzbar gilt, glaubt man in der Branche, dass der Abgang von Tom Ford ein schwer zu füllendes Vakuum erzeugen wird. Für Guccis Großaktionär – den französischen Handelskonzern Pinault-Printemps-Redoute – dürfte es extrem schwierig werden, einen ebenbürtigen Designer zu finden.

Doch selbst wenn der große Wurf gelingen sollte, einen renommierten und geeigneten Stylisten anzuheuern, bleibt die Gucci-Aktie nur von schwachem Interesse. Grund hierfür ist, dass sich Pinault-Printemps verpflichtet hat, allen Aktionären im März kommenden Jahres ein öffentliches Übernahmeangebot in Höhe von 85,52 Dollar je Anteilsschein anzubieten. Dazu hatten sich die Franzosen vor zwei Jahren im Rahmen der Übernahme einer Kontrollbeteiligung von mehr als 60% des Kapitals verpflichtet. Damit ähnelt die Aktie einem festverzinslichen Bond. Angesichts aktueller Aktienkurse, bei etwa 84,50 Dollar bietet das Papier in den kommenden vier Monaten eine rechnerische Verzinsung von gerade mal 1,2%. Das ist mager, vor allem wenn man beachtet, dass auch Pinault-Printemps ein Ausfallrisiko trägt oder sein Angebot rechtlich anfechten kann. Dies wird zwar als unwahrscheinlich angesehen, so mancher Analyst mag diese Perspektive aber nicht gänzlich ausschließen.

Was aber, wenn die Konjunktur in den kommenden Monaten richtig anspringt und sich damit die Geschäftsaussichten für den Luxusgüterhersteller deutlich verbessern? Könnte dann die Gucci-Aktie nicht sogar über jenen „garantierten“ Wert von 85,52 Dollar steigen? – fragt sich an diesem Punkt der optimistische Anleger. Alles ist möglich, dieses Szenario aber ist wenig realistisch. Denn das Gucci-Papier wird derzeit mit einem deutlichen Kursaufschlag gegenüber seinen Konkurrenten wie LVMH und Richmont gehandelt. Der einzige Grund hierfür ist das öffentliche Übernahmeangebot, das Pinault-Printemps im März lancieren wird. Sonst würde der Aktie heute ein geringerer Wert beigemessen. Um den „Strike-Price“ von 85,52 Dollar zu knacken, müssten also Wunder geschehen. Die aber gibt es an der Börse nicht. Warum also sollte man ein Papier mit vergleichsweise geringen Chancen und hohen Risiken kaufen?

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