Chartanalyse
Niedriger Realzins treibt den Goldpreis

Der Goldpreis macht wieder von sich reden, nachdem er in nur zehn Wochen um 30 Prozent zugelegt hat. Vorletzte Woche hatte er sein altes Hoch aus dem Jahre 1980 bei 840 US-Dollar erreicht, konnte sich dort aber nicht halten und liegt aktuell knapp unter 800 USD. Geht damit ein siebenjähriger Anstieg zu Ende oder die Rally weiter? Ein wichtiger Indikator ist der Realzins.

RIGA. Goldanleger wissen, dass es einen sehr aussagekräftigen Indikator für die Entwicklung des Goldpreises gibt: den Realzins. Diese Größe zeigt denjenigen Ertrag an, den ein Anleger erhält, wenn er sein Geld möglichst sicher in kurzfristigen Staatsanleihen anlegt und davon noch die Inflationsrate abzieht. Eine vergleichbare Sicherheit bieten ihm nur Anlagen in Edelmetallen oder Rohstoffen, die rar sind - wie das Gold.

Die Goldanlage hat folglich immer dann ihren größten Sinn, wenn in der Wirtschaft ein negativer Realzins vorherrscht. Im Chart ist der Zusammenhang deutlich zu sehen. In den letzten 35 Jahren war der Realzins während drei Episoden negativ - und dreimal legte der Goldpreis aufgrund zusätzlicher Nachfrage sicherheitsorientierter Anleger deutlich zu.

Derzeit liegt der Realzins nur noch bei rund 0,5 Prozent für Dollaranlagen. Dass er bald negativ werden kann, dafür sprechen einige Fakten. Die Zentralbanken sind weltweit dabei, die Zinsen anzuheben, weil Inflationsindikatoren ein zunehmendes Inflationswachstum prognostizieren. So haben erst kürzlich China, Schweden und Norwegen ihre Leitzinsen erhöht. Die US-Wirtschaft allerdings befindet sich laut Analysten im Frühstadium einer Rezession. Dies alleine ist schon Grund genug, die Leitzinsen zu senken.

Damit kann in Kürze mit einem wieder negativen Realzins gerechnet werden. Und so scheint es nur eine Frage der Zeit, bis der Goldpreis sein altes Hoch überschreiten wird.

Der Autor ist Geschäftsführer der Investment Management Boutique "Staedel Hanseatic"

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