30-Jahres-Tief wegen Brexit-Angst
Das britische Pfund speckt deutlich ab

Großbritanniens Premierministerin Theresa May will den Abschied aus der Europäischen Union wohl auf die harte Tour. Die Währung sackt daher auf den niedrigsten Wert seit über 30 Jahren. Der Devisenmarkt ist in Aufruhr.

Düsseldorf/LondonAls der britische Notenbank-Präsident Mark Carney Mitte September den neuen Fünf-Pfund-Schein präsentierte, tunkte er die Geldnote auf einem Wochenmarkt in ein Kartoffelgericht. Und siehe da, der Schein nahm keinen größeren Schaden. Erstmals wird ein britischer Schein aus einem Kunststoff hergestellt, was die Stabilität erhöhen soll.

Auf dem Währungsmarkt ist von einem stabilen Pfund in dieser Woche wenig zu merken. Am Dienstag ist das „Pound Sterling“ bis auf 1,2738 Dollar durchgesackt – ein Minus von mehr als 0,7 Prozent gegenüber dem Vortag. Und schlimmer noch: Erstmals seit dem britischen EU-Referendum Ende Juni ist die Währung unter den Wert gefallen, auf den das Pfund nach dem akuten „Brexit“-Schock gestürzt war. Im Juli hatte das Pfund den Tiefstand von 1,2796 Dollar erreicht. Der heutige Kurs ist damit der tiefste Stand seit mehr als 30 Jahren.

Auslöser für die Talfahrt ist eine Rede der britischen Premierministerin Theresa May. Auf dem Parteitag der Konservativen hatte sie am Sonntag eine harte Linie in den Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union angedeutet und ihren Zeitplan bestätigt. Das Land werde nicht später als im März 2017 die offiziellen Austrittsgespräche in Gang setzen, kündigte sie an. „Es wird keine unnötigen Verzögerungen geben“, versprach sie und setzte ihre Ankündigungen sogleich fort: Man werde EU-Recht auf der Insel aufheben. „Die Gültigkeit dieser Vorschriften wird enden.“ Und man werde Brexit zu einem Erfolg machen, versprach sie. Die Parteimitglieder quittierten das mit lang anhaltendem Applaus.

An den Finanzmärkten ist damit aber die Brexit-Angst zurückgekehrt. Vor allem internationale Unternehmen, die in Großbritannien ein wichtiges Standbein haben, wollen Klarheit darüber, wie die neuen Beziehungen zwischen Brüssel und London aussehen werden. Sie fordern einen sanften Brexit, bei dem die Dinge im wesentlichen so bleiben, wie sie sind – und sprechen sich gegen eine radikale Variante aus, die beispielweise den Zugang Großbritanniens zum EU-Binnenmarkt beenden und die Einwanderung deutlich begrenzen würde. Doch nach Mays Rede ist die Lesart die, dass die harte Variante gewählt werden könnte.

„Für Unsicherheit unter Investoren sorgt vor allem das feste Bekenntnis der britischen Regierung, bei den Austrittsverhandlungen auf eine Beschränkung der Zuwanderung zu bestehen“, schreiben die Währungsexperten der Commerzbank in einem Kurzkommentar. Dies werde kaum ohne wirtschaftlichen Folgen bleiben und damit einen Einfluss darauf haben, wie attraktiv Anlagen in das Pfund Sterling künftig seien. „Solange sich in dieser Frage keine gütliche Einigung abzeichnet, bleibt das Pfund unter Druck.“

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