Abwertungswettlauf stoppen
Friedensgrüße im Währungskrieg

Der Welt droht ein Währungskrieg wie seit den 30er-Jahren nicht mehr. Japan drückt den Yen-Kurs. Das hilft der Wirtschaft, hat aber höchstes Ansteckungspotenzial. Eilig wird versucht, den Abwertungswettlauf zu stoppen.
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Düsseldorf„Japan hat die Welt verändert“, schrieben kürzlich Devisenexperten von Morgan Stanley - und die galten bisher nicht als Anhänger von Dramatisierungen. Mit seinem Handeln würde das Land die anderen Notenbanken provozieren. Außerdem beobachten die Fachleute rund um den Globus besorgte Politiker, die um ihre nationale Wettbewerbsfähigkeit fürchten und sich für eine „aggressive“ Währungspolitik einsetzten.

Die Welt ist auf dem besten Weg, in einen Währungskrieg zu schlittern, fürchten immer mehr Analysten. Die wichtigsten Anzeichen: Die Notenbanken fluten die Märkte mit ihrer eigenen Währung, halten die Zinsen niedrig, kaufen Staatsanleihen auf – und sie folgen verstärkt den Vorgaben der Politik, die mit Konjunkturprogrammen die Unternehmen ihrer Länder unterstützen.

Die Ferderal Reserve in den USA hat jede Zurückhaltung aufgegeben, Mark Carney hat für die der Bank of England das Paradigma ausgerufen, sich in Notfällen auf das nominale Wirtschaftswachstum zu konzentrieren. Die Schweizer Notenbank verteidigt eine Obergrenze für den Franken mit "unbegrenzten Devisenkäufen". „Ich erkenne die Gefahr einer kompetitiven Abwertung“, sagt EU-Währungskommissar Olli Rehn dem österreichischen Magazin „Profil“. Noch weiter geht der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Es herrsche Anarchie unter den Zentralbanken, sagte er der FAZ. „Und in der Anarchie gewinnt meistens der, der sich am meisten traut, der besonders skrupellos vorgeht.“

Das eindrucksvollste Beispiel für den riskanten Wettstreit ist Japan. Dort trägt der Kurs gar den Namen des Premierministers. Die „Abenomics“, nach Ministerpräsident Shinzo Abe, steht für die lockere Geldpolitik, die den Yen schwächt. Davon profitieren besonders japanische Exporteure, die ihre Waren auf dem Weltmarkt anbieten. Wenn der Yen billig ist, sind es auch die Produkte.

Das Ganze funktioniert: Während der Euro seit Monaten einen eindrucksvollen Kursanstieg verzeichnet, hat die japanische Währung kräftig abgewertet, ein Euro kostet mehr als 123 Yen, im Juli 2012 waren es weniger als 96,5 Yen. Der Außenhandelsverband BGA ist: „Wir sehen durchaus die Gefahr, dass japanische Unternehmen wegen der veränderten Wechselkurse deutschen Exporteure zunehmend Marktanteile streitig machen können“, sagte er dem „Euro am Sonntag“.

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Industriestaaten arbeiten am Waffenstillstand

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  • @ Rechner,
    1. Wir Deutsche leben z.Z. wie Gott in Frankreich und z.T. auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit dank unseres Leistungsbilanzüberschusses exportieren (16 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit circa 17 Jahren)
    2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
    3. Den meisten Deutsche geht es besser als anderen EU-Bürger, außerdem ist es egal wie es den anderen EU-Ländern geht, und wenn in Griechenland, Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herrn Weidmann, Sarrazin, Stark bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
    4. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wurde in den EU-Verträge nie vereinbart, also sollen die arme Länder immer ärmer werden und die reiche immer reicher. So verstehe ich die von der deutsch-französische Achse diktierte EU-Verträge.

  • Im Grunde ist das kein "Währungskrieg", sondern ein irrealer Propagandakrieg, denn wieder kann man auf allen einschlägigen Seiten Meldungen, Meinungen, Nachrichten dazu finden.
    Statt eines ominösen Informationsbedarfs schürt man gewaltige Ängste, die dazu führen, daß die Staaten einen immer höheren Kapitalbedarf zur Abwehr bereitstellen müssen. Mit unerwünschten Nebenwirkungen, der Erlahmung des Auslandsgeschäfts. Vereinfachte Gleichung: Mehr Kapitalkonzentrat = weniger Geschäft.

    Um in Europa zu bleiben, die Heilmittel EZB, ESM, Target2 usw. sind die Auslöser, Krankheitserreger.

    Am 16.01.2013 warnte der russische Zentralbank-Vizechef vor einem Devisenkrieg. Aber er war nicht der erste. Seit dem 24.09.2012 bereitet sich Brasilien auf einen Devisenkrieg vor, doch schon am 14.10.2010 nahm eine spanische Zeitung die Gefahr eines Devisenkriegs in Augenschein.

    Eine einzelne Prognose wird damit zum Brandbeschleuniger. Jetzt haben wirklich alle Angst und klammern sich mit Zähnen und Klauen an das, was man loslassen sollte.

    Das Finanzkapital liest naturgemäß mit und läßt sich anstecken. Daher sind auch die Charts so erratisch geworden.

    Ich kann voraussagen, welche Sau als nächstes durchs Dorf getrieben wird: der Handelskrieg. Und ich kann voraussagen, daß alle globalistischen Auguren ihrem natürlichen Ende mit großen Schritten entgegen gehen.

    Die Globalisierung, die EU, das alles war wirklich außerordentlich stümperhaft geplant. Denn nun folgt der Sturz von der Klippe.

    Ich hätte ja lieber den Widerstandsgeist aktiviert, aber die Masse, ja die Masse .. die zeigte sich sehr renitent.


  • 'popper' sagt
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    Das ist kein Währungskrieg, sondern die logische Folge des deutschen Merkantilismus
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    Was phantasieren Sie da immer vom "deutschen Merkantilismus"?

    Was soll das bitte darstellen?

    Oder haben Sie sich bloß um ein paar Jahrhunderte vertan?

    +++

    'popper' sagt
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    ES war doch abzusehen, dass die USA und Asien diesen Weg nicht mitgehen und sich anstelle der Eurozone sich für den Deutschen Exportwahn verschulden.
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    Die USA sind allerdings schon verschuldet bis über die Ohren.

    Und kein Mensch verlangt, daß sie das weiter so machen. Ihre Gläubiger wären sogar froh, wenn sie so eine Chance hätten was von dem geliehenen wiederzusehen.

    +++

    'popper' sagt
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    Naiv, wer die monetäre Reaktion in Japan d anderswo als Währungskrieg verunglimpfen will, um vom deutschen Versagen abzulenken.
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    Naja - die Japaner haben erstmals seit vielen Jahren ein Leistungsbilanzdefizit.

    Und das wollen sie abbauen - meinen Segen haben sie.

    ...

    Das "deutsche Versagen" besteht allenfalls darin, die Leistungsbilanzdefizite anderer Länder finanziert zu haben.

    Aber damit ist ja jetzt Schluß.

    Auch wenn der Papapopulos noch so laut jammert.

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