Acht-Monats-Tief
Dollar fällt und fällt

Der Abstieg des Dollars ist nicht zu bremsen. Sorgen über eine weitere Verschlechterung der US-Konjunktur und Spekulationen über ein neues Anleihe-Aufkaufprogramm der Fed erhöhen den Druck auf die US-Währung. US-Konjunkturdaten können das nicht verhindern.

HB FRANKFURT. Ein überraschend starker Rückgang des Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager hat am Freitag den Verkaufsdruck auf den Dollar verstärkt. Der Dollar-Index, der die Kursentwicklung zu mehreren wichtigen Währungen abbildet, fiel daraufhin auf ein Acht-Monats-Tief von 78,10 Punkten. Im Gegenzug kletterte der Euro auf ein neues Sechseinhalb-Monats-Hoch von 1,3777 Dollar. Damit hat die Gemeinschaftswährung binnen drei Wochen rund 8,5 Prozent zugelegt. Dies ist die stärkste Rally seit knapp zwei Jahren. Der Bund-Future grenzte seine Anfangsverluste am Freitagnachmittag weitgehend ein und lag nur noch zehn Ticks im Minus bei 131,34 Zählern.

Der ISM-Index fiel im September auf 54,4 Punkte von 56,3 Zählern im Vormonat. Analysten hatten mit einem Stand von 54,5 Stellen gerechnet. Die Neuauftrags-Komponente fiel auf 51,1 Punkte von 53,1 Zählern. Auch das überraschende Plus bei den US-Bauausgaben konnte die Stimmung der Anleger nicht aufhellen. „Getrübt wird der Anstieg durch eine deutliche Abwärtsrevision des Vormonatswertes“, betonte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. Die Bauausgaben wuchsen den Angaben zufolge im August um 0,4 Prozent, während der Wert für Juli auf minus 1,4 von minus 1,0 Prozent korrigiert wurde.

„Der ISM-Index signalisiert einen Dynamik-Verlust der US-Konjunktur“, sagte Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. „Negativ ist vor allem der Rückgang der Neuauftrags-Komponente. Dies ist ein recht guter Indikator für die zukünftige Entwicklung des ISM-Index.“ Derzeit deute alles auf eine deutliche Abkühlung der US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte hin. „Die Diskussion um ein weiteres „Quantitative Easing' der US-Notenbank Fed wird in den kommenden Wochen sicher zunehmen“, fügte Schilbe hinzu.

NordLB-Analyst Bernd Krampen wertete die Daten dagegen als Zeichen für eine „gesunde Normalisierung“ der US-Konjunktur. Er sehe sich in seiner Erwartung eines soliden US-Wachstums bestätigt. „Für die Federal Reserve Bank haben die Daten die Implikation, dass sie vorerst keine Änderung ihrer geldpolitischen Ausrichtung vornehmen muss, solange sich die Lage einfach nur normalisiert - so wie es derzeit aussieht.“

Der Dollar leidet seit einigen unter einer drohenden Lockerung der US-Geldpolitik, im Notenbank-Jargon „Quantitative Easing“ genannt. Genährt wurden diese Spekulationen unter anderem von den Aussagen des einflussreichen Chefs der Federal Reserve von New York, William Dudley. Dieser sprach sich für weitere Konjunkturstützen aus, sofern sich die Aussichten am US-Arbeitsmarkt nicht verbesserten. Er brachte den Ankauf weiterer US-Staatsanleihen oder Immobilienpapiere ins Gespräch. „Da die Fed ihren Zinssenkungsspielraum weitgehend ausgeschöpft hat, bleibt ihr nichts anderes übrig als die Geldpolitik weiter zu lockern“, betonte HSBC-Experte Schilbe.

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