Allzeithoch
Goldpreis ist nicht zu bremsen

Der Goldpreis setzt seine Rekordjagd mit ungebremstem Tempo fort. Heute markierte er bei 1 095 Dollar ein weiteres Jahreshoch. Dass Gold auch das neunte Jahr in Folge mit Gewinnen beenden wird, ist sicher. Einen so langen Aufwärtstrend gab es seit 1948 nicht mehr. Und Experten sehen noch kein Ende der Preisrally.
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HB FRANKFURT/LONDON. Der Goldpreis hat am Mittwoch ein weiteres Rekordhoch erreicht. Bis zum Abend kletterte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) in der Spitze bis auf 1 095,40 US-Dollar. Erst am Dienstag war mit 1 087 ein Hoch markiert worden, nachdem die Höchstmarke zuvor bei 1 070 Dollar gelegen hatte.

Als Treiber nannten Experten insbesondere die Nachicht über einen umfangreichen Goldkauf Indiens von 200 Tonnen im Oktober. Mit dem Kauf ist fast die Hälfte der geplanten IWF-Goldverkäufe im Rahmen eines Zentralbankenabkommens in Höhe von 403 Tonnen abgewickelt. China wird als potenzieller Käufer er anderen Hälfte des IWF-Goldes gehandelt. Daher „dürften die Zentralbanken keine nennenswerte Belastung für den Goldmarkt darstellen“, urteilt die Commerzbank. In der Vergangenheit hatten umfangreiche Verkaufsprogramme häufig die Preise belastet. Die Minenlobby World Gold Council erwartet sogar, dass die Zentralbanken zum Nettokäufer werden.

Außergewöhnlich an dem neuen Preisschub ist auch, dass er ohne nachhaltige Dollarschwäche zustande kam. Normalerweise steigt der Goldpreis, wenn der Dollar zur Schwäche tendiert – und umgekehrt. Das war jedoch schon in den vergangenen Handelstagen nicht der Fall, was manche Beobachter als Indiz für eine erkennbare Abkehr der Investoren von den „Papierwährungen“, den nicht durch Gold gedeckten Währungen, deuten. Die international renommierten Vermögensverwalter Marc Faber und Felix Zulauf hatten aus diesen Gründen noch in den vergangenen Tagen wesentlich höhere Goldpreise prognostiziert.

Indische Käufe geben dem Metall weiteren Schub

Als wichtigen Preistreiber erkennen Fachleute die rasant steigende Verschuldung in den Industrieländern, die eine Flucht in die Sachwerte und vor allem in das Gold als Inflationsschutz auslöse. Von einer „vollkommen unseriösen Geld- und Fiskalpolitik“ spricht beispielsweise Claus Vogt, Leiter Research bei der Quirin Bank, dem Handelsblatt. Sein nächstes Preisziel liegt bei 1 300 Dollar. Fachleute wie Vogt nennen noch andere Gründe für den Aufschwung wie etwa den zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern mit steigender Goldnachfrage im Gefolge. Gleichzeitig sinkt die Goldproduktion der Minen weltweit, was das Angebot verknappt.

Trotz der starken Preissteigerungen seit dem Tief bei 250 Dollar vor zehn Jahren sehen die Optimisten noch Luft nach oben. „Wir sind erst im frühen Teil der Hausse“, sagt John Embry, Anlagestrage beim kanadischen Vermögensverwalter Sprott Asset Management dem Handelsblatt. „Auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten liegt mein Preisziel bei 1 500 Dollar.“ Er empfiehlt Anlegern eine Allokation von zehn Prozent in den Depots. Investoren Investoren rät er zu einem Schwenk von physischem Goldbesitz zu Minenaktien, weil deren Kurse häufig stärker steigen als der Goldpreis. Das war auch am heutigen Handelstag zu beobachten.

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