Brasiliens Produktionsvorteile
Der neue König auf dem Zuckermarkt

Bereits heute ist Brasilien der größte Produzent und Exporteur von Zucker und Alkohol – und hat das größte Potenzial für neue Anbauflächen. Jetzt wollen auch europäische Konzerne vor Ort investieren.

sha HB SÃO PAULO. Er gilt in der Branche als der „Gentleman“. Ein schmaler Mann, korrekt gekleidet im dunklen Anzug. Glatze, Brille, Anfang 50. Er redet leise, ernst. Ein dünnes Lächeln setzt er auf, wenn er ein Argument besonders eloquent präsentiert – und das macht er meistens. Plinio Mario Nastari hatte Brasiliens historischen Sieg gegen die EU vorbereitet: Gemeinsam mit Thailand und Australien griff sein Land die EU-Zucker-Regelung vor der WTO in Genf an. „Vorher galten die subventionierten Zuckerexporte aus der EU als unmoralisch“, sagt Nastari und lächelt fein, „jetzt sind sie illegal.“

Seit 20 Jahren bewegt sich der Lobbyist Nastari zwischen seinem Forschungs-Institut in São Paulo und den Schaltzentren des internationalen Zuckermarktes, zwischen Genf, Washington, Brasilia und Brüssel. Trader, Investmentbanken und Verbände lesen seine Prognosen über die Entwicklung des Zucker- und Ethanol-Marktes. Wie kaum jemand sonst kennt er die brasilianischen Zuckerproduzenten. Schwerreiche Dynastien sind das, fast alle Konzerne sind in Familienbesitz. Nur Insider kennen die Namen und wissen, wer wo investiert, wer mit wem fusionieren will. „Kaum eine Branche in Brasilien ist so diskret wie der Zucker“, sagt Nastari.

Die intimen Kenntnisse sind wichtig, denn hier entscheidet sich die Zukunft der Branche: Bereits heute ist Brasilien der größte Produzent und Exporteur von Zucker und Alkohol – und hat das größte Potenzial für neue Anbauflächen. Kaum ein anderes Land kann so schnell seine Produktion ausweiten: In fünf Jahren – so erwartet Nastari – wird Brasilien 24 Mill. Tonnen Zucker exportieren. Heute sind es etwas mehr als 16 Mill. Tonnen.

Und dann der Preisvorteil: Derzeit kostet eine Tonne Zucker in Brasilien, gewonnen aus Zuckerrohr, rund 160 Dollar, mit weiter sinkenden Produktionskosten. In Europa veranschlagen die Konzerne für eine Tonne Zucker aus Rüben rund 700 Dollar. Den Liter Alkohol brennen die brasilianischen Destillen für rund 20 Cents, in Europa ist das dreimal so teuer. Wegen der hohen Ölpreise und den Klimaschutzmaßnahmen nach dem Kyoto-Abkommen wird Ethanol als alternativer Treibstoff oder zur Beimischung beim Benzin auf den Weltenergiemärkten wichtiger. Nastari rechnet damit, dass Brasilien 2010 bereits 6 Mrd. Liter exportieren wird – und im eigenen Land rund 22 Mrd. Liter zum PKW-Antrieb nutzen wird.

Seite 1:

Der neue König auf dem Zuckermarkt

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%