Brent-Ölpreis markiert neuen Rekord
Ölpreis könnte Konjunktur ausbremsen

Die verschärfte Krise im Nahen Osten hat den Brent-Ölpreis am Montag auf einen neuen Rekordstand getrieben. An der Londoner Rohstoffbörse sprang der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent am Vormittag in der Spitze auf 78,18 $. Damit wurde die erst am Freitag aufgestellte Rekordmarke von 78,03 Dollar deutlich übertroffen.

HB/ari DÜSSELDORF. Auch der US-Rohölpreis bleibt in Reichweite des Rekordstandes. Im elektronischen Handel kostete ein Barrel der US-Sorte WTI 77,50 US- Dollar und damit 47 Cent mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Die alte Rekordmarke von 78,40 Dollar ist damit weiter in Sichtweite. Der Ölpreis steuert nach Einschätzung von Experten weiter auf die Marke von 80 Dollar je Barrel zu. „Der Konflikt um Israel belastet die Ölmärkte zwar eigentlich nicht direkt, drückt aber eindeutig auf die Stimmung“, sagte Rohstoffstratege Tobin Gorey bei der Commonwealth Bank. Am Markt herrsche die Sorge, dass die Instabilität im Nahen Osten auf die gesamte Region übergreifen könnte.

Israel hat seine Angriffe im Libanon inzwischen den sechsten Tag in Folge fortgesetzt. Auch im palästinensischen Gazastreifen hielt die Gewalt an. Bei den jüngsten Angriffen kamen insgesamt mindestens 17 Menschen ums Leben. Ein Ende der Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht. Die Vereinten Nationen (UN) erwägen inzwischen die Entsendung einer weiteren Beobachtertruppe in das libanesisch-israelische Grenzgebiet.

Unterdessen warnte der US-Energieexperte Daniel Yergin vor Engpässen bei der Ölversorgung. Der Kapazitätspuffer, der nach den Turbulenzen der 1970er Jahre aufgebaut wurde, sei inzwischen weitgehend aufgebraucht, sagte der Leiter der US-Beratungsfirma Cambridge Energy Research Association, dem Magazin “Spiegel special“ laut einer Vorabmeldung vom Montag. Neue Schocks am Markt seien unvermeidbar.

Die Ölpreise werden nach Einschätzung Yergins durch die Wiedergeburt des “Rohstoff-Nationalismus“ getrieben, wie er in Bolivien oder Venezuela zu beobachten sei. Die Kräfte seien aus dem Gleichgewicht geraten und die Ölexportländer in einer viel stärkeren Position. Die aktuelle Knappheit sei kein Hinweis darauf, dass der Welt das Öl ausgehe. Dank technischer Verbesserungen könne die Produktionskapazität vielmehr noch um 20 bis 25 Prozent in den kommenden zehn Jahren vergrößert werden, sagte Yergin.

Energiesicherheit wird nach Ansicht des Experten zu einer der wichtigsten Herausforderungen der Außenpolitik. Die Sicherung von Pipelines und anderen “sensiblen Orten“ bedürfe Yergin zufolge verstärkter Beobachtung und schnellerer Einsatzkräfte.

Der Nymex-Ölpreis gab am Montagmittag allerdings im elektronischen Handel wieder um rund 2 Dollar nach und fiel zeitweise unter 76 Dollar je Barrel. Inzwischen notiert er bei 76,33 Dollar je Barrel, das sind 0,70 Dollar bzw. 0,9% weniger als zum Freitagschluss. Händler verweisen auf angebliche Medienberichte, dass der Iran die Angebote des Westens im Nuklearstreit akzeptieren könnte. Gleichzeitig habe es Gerüchte gegeben, dass Israel zu einem Ende der Offensive im Libanon bereit sein könnte.

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