Buntmetalle werden nach Meinung von Experten ihr hohes Niveau nicht behaupten
Rohstoffpreise steigen auf den höchsten Stand seit 23 Jahren

Rohstoffe waren am Freitag im Durchschnitt so teuer wie seit dem Jahr 1981 nicht mehr. Der Reuters-CRB-Rohstoffindex, der von den Notenbanken und Konjunkturforschungsinstituten in der Welt als ein wichtiger Indikator für die künftige Industrieproduktion und für mögliche Inflationsgefahren aufmerksam beobachtet wird, kletterte in der Spitze auf 287,62 Punkte. Das ist der höchste Stand seit 23 Jahren.

FRANKFURT/M. Die Messlatte reflektiert die 17 wichtigsten Rohstoff-Terminkontrakte in den USA. Die aus dem wirtschaftlichen Aufschwung in China resultierende starke Nachfrage nach Rohstoffen ist eine der Ursachen für die im Jahr 2002 startende Hausse. Hinzu kamen infrastrukturelle Mängel im Verarbeitungs- und Transportwesen, die zu einer Verknappung vieler Rohstoffe in den Abnehmerländern führten. Und nicht zuletzt waren es die mit den Terrorattacken auf das World Trade Center und mit dem folgenden Irak-Krieg verbundenen geopolitischen Spannungen, die Ängste vor einer Verknappung von Rohstoffen – allen voran von Rohöl – aufkommen ließen.

Seit dem Jahr 2002 gelten Rohstoffe bei privaten und institutionellen Kapitalanlegern daher als eine der interessantesten Investmentklassen. Immer mehr Analysten erkannten in den vergangenen Monaten die in Rohstoff-Investments liegenden Möglichkeiten. Zu spät wurde erkannt, dass die riesige Nachfrage aus Fernost zu massiven Engpässen und haussierenden Preisen führt. Von der Entdeckung eines Energie- oder Metallvorkommens bis zur ersten Produktion vergehen sechs bis neun Jahre.

Es ist vor allem der starke Anstieg der Energiepreise, der den von der Fachwelt aufmerksam beobachteten Reuters-CRB-Rohstoffindex zuletzt in neue Höhen trieb. Der WTI-Rohölpreis in den USA – eine Komponente des Index – schoss am Freitag auf das Rekordniveau von bis zu 53,40 Dollar je Barrel in die Höhe. Doch auch andere Index-Komponenten wie die Edelmetall- und Buntmetallpreise waren eine Ursache für den Anstieg des Rohstoffindex. So kletterten die Kupferpreise am Freitag an der Terminbörse Comex in New York auf den höchsten Stand seit 16 Jahren.

Analysten rechnen überwiegend damit, dass sowohl die Kupferpreise als auch die Preise anderer Buntmetalle ihr derzeit hohes Niveau nicht behaupten können. So gehen die Experten der Investmentbank UBS davon aus, dass der Kupferpreis im kommenden Jahr im Durchschnitt bei 1,18 Dollar je Pfund liegen wird. Für den zuletzt auf neue Rekordhöhen bei 982,50 Dollar je Tonne in die Höhe geschossenen Bleipreis erwartet Robin Bhar von der Standard Bank in London im Jahr 2005 einen Durchschnittspreis von etwa 800 Dollar je Tonne. Grund: Das Angebotsdefizit am Bleimarkt dürfte sich von 165 000 Tonnen im laufenden Jahr auf rund 88 000 Tonnen im Jahr 2005 verringern. Peter Blight, Rohstoff-Analyst bei UBS, geht vor diesem Hintergrund für 2005 sogar von einem Durchschnittspreis von 705 Dollar / Tonne aus.

Daher sind die Buntmetalle als Anlageklasse bei UBS inzwischen auch nicht mehr länger auf den ersten drei Rängen der Rohstoff-Favoritenliste zu finden. Vielmehr setzt Blight jetzt stärker auf jene Rohstoffe, die erfahrungsgemäß im späten Verlauf eines Konjunkturzyklus auf das größte Interesse stoßen. Dies sind für Blight Kohle und Eisenerz, also jene Rohstoffe, die von der weltweite boomenden Stahlkonjunktur profitieren. „China hat den Markt im Juli mit einem Anstieg der Stahlproduktion mit einer Jahresrate von 20 Prozent überrascht“, begründet Blight die Anhebung der Preiserwartungen für Kohle und Eisenerz.

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