Der Kurs der britischen Währung gibt nach, weil die Bank von England einen weicheren geldpolitischen Kurs steuert
Das Pfund kommt zunehmend unter Druck

Die Bank von England hat den Kursanstieg des britischen Pfundes vorerst gestoppt. Denn die seit November vorherrschende Tendenz zu aggressiven Zinserhöhungen scheint ein Ende zu nehmen.

LONDON. Gestern begründeten die Währungshüter im Protokoll ihrer jüngsten Sitzung von Anfang April ihre Entscheidung, die Leitzinsen damals unverändert bei vier Prozent zu lassen. Und wie sich zeigte, stimmte nur eines von neun Mitgliedern des Geldpolitischen Ausschusses dafür, den Repo-Satz zu erhöhen.

Analysten waren bislang von zwei bis drei „Falken“ im Ausschuss ausgegangen, die für eine Zinserhöhung gestimmt hätten. Die Entscheidung galt wegen widersprüchlicher Wirtschaftsdaten als sehr umstritten. Die überraschende Einmütigkeit und der Ton der Geldpolitiker lassen nun einige wieder orakeln, dass die Bank künftig einen weniger restriktiven Kurs fahren könnte: „Keine Eile bei der nächsten Zinserhöhung“, kommentierte die Rating-Agentur Moody’s lakonisch.

Sofort reagierte die britische Währung, die in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber Euro vier Prozent und im Verhältnis zum Dollar mehr als 13 Prozent zulegte – auch wegen der steigenden Zinsen im Land. Gestern gab das Pfund gegenüber dem Euro um zwei Drittel Prozent sowie gegenüber dem Dollar um mehr als einen Prozent nach. Ein Euro bringt derzeit knapp unter 67 Pence, und das Pfund wiederum 1,767 Dollar.

Kurzfristig dürfte sich der aufkeimende Pessimimus zwar wieder legen. Denn die gute Konjunkturentwicklung des Landes, die hohe Verschuldung der privaten Haushalte und das Wachstum der Immobilienpreise bleiben dominante Faktoren in Großbritannien, die für steigende Zinsen sprechen. Wie sich zudem zeigt, helfen die beiden bisherigen Zinserhöhungen seit November noch immer kaum dabei, die fast schon beängstigende Konsumfreude der Briten zu bremsen. Wenn die Bank von England eine Überhitzung verhindern will, muss sie weiter auf die Bremse treten. Bereits im Mai könnte der nächste Anstieg auf der Agenda stehen. Das dürfte die für das Pfund ohnehin attraktive Zinsdifferenz zwischen Großbritannien und den USA sowie Europa weiter erhöhen.

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