Der steinige Weg der Verständigung
Kanadas Indianer kämpfen gegen Minenkonzerne

Konflikte sollen Gesprächen weichen: Im Streit um Landrechte haben Kanadas Indianer und der Verband der Prospektoren das „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet. Der Vertrag soll die Rechte der Ureinwohner schützen – und eine Konfliktlösung in gegenseitigem Respekt anstreben.

TORONTO. Viermal geht die Pfeife im Kreis herum, wie es indianische Tradition vorschreibt. Der Rauch des brennenden geheiligten Sweetgrass steigt auf und verbreitet seinen vanille-artigen Duft. Die Pfeifenzeremonie besiegelt einen Pakt zwischen Kanadas Indianern und dem Verband der Prospektoren, den Fachleuten für die Suche und Erkundung von Rohstoffen.

„Dies ist ein historischer Tag“, sagt Patricia Dillon, Präsidentin der Prospectors and Developers Association of Canada (PDAC). Dann unterschreibt sie zusammen mit Phil Fontaine, dem nationalen Oberhäuptling der Indianer Kanadas, das „Memorandum of Understanding“ zwischen ihrem Verband und der National Assembly of First Nations (AFN). „Wir glauben an Partnerschaft, aber wir wollen an den Reichtümern unseres Landes teilhaben“, sagt AFN-Chef Fontaine: „Wir wollen unseren Beitrag zur wirtschaftliche Entwicklung leisten. Aber gegenseitiges Verständnis muss auf dem Respekt und dem Verständnis für unser Land basieren.“

Organisationen wie Mining Watch Canada sehen den Vertrag eher skeptisch. Gerade jetzt wurden in der Provinz Ontario Indianerführer zu Haftstrafen verurteilt, weil sie sich wehrten, dass Rohstoffunternehmen auf die von ihnen beanspruchten traditionellen Jagd- und Siedlungsgebiete vordringen: In Napanee bei Kingston verbüßt Robert Lovelace von den Algonquins eine sechsmonatige Strafe, weil er Prospektoren Zugang zu einem Uran-reichen Territorium verweigert hatte. In Thunderbay wurden Häuptling Donny Morris und fünf weitere Angehörige der Gemeinde Kitchenuhmaykoosib Inninuwug ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilt, weil sie eine Platinsuche blockierten.

Die Indianer sind über die Härte der Gerichte schockiert. Mit „Schande“-Rufen reagierten sie, als Lovelace verurteilt wurde. In Thunderbay folgte dem Verdikt entsetztes Schweigen. Für die Indianer und ihre nicht-indianischen Sympathisanten sind die Inhaftierten „politische Gefangene“. Das Urteil müsse das Gefühl aufkommen lassen, „dass Ureinwohner vor Gerichten keine Gerechtigkeit erfahren“, sagt Anwalt Chris Reid.

„Dieses Land ist unsere Heimat“, sagt eine Algonquin-Indianerin, die sich gegen die Uransuche gewehrt hatte. „Unsere Vorfahren haben hier gejagt, gefischt und Pelztiere erlegt.“ Die Ureinwohner sehen sich in der Pflicht, ihr geheiligtes Land zu verteidigen. Kanadas oberstes Gericht hatte in Grundsatzurteilen die Pflicht des Staates zu Konsultationen mit den Ureinwohnern betont. Vergeblich hatte der Häuptling der Indianer Ontarios, Stan Beardy, vor dem Urteil gegen Donny Morris an die Provinzregierung appelliert, „die Phase der Missachtung und der ungerechten Behandlung“ der Ureinwohner zu beenden und eine Konfliktlösung in gegenseitigem Respekt anzustreben.

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