Devisen
China kratzt am Status des Dollars

Yuan sollen künftig auch in London gehandelt werden. Schritt für Schritt will China die Dominanz des US-Dollars schwächen und die Rolle der eigenen Währung stärken.
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Peking, Frankfurt, LondonAls das amerikanische Verteidigungsministerium 2009 zu einer Simulation globaler wirtschaftlicher Kriegsführung einlud, hieß der Sieger China. Die Macht des Landes rührt daher, dass es hinter der US-Notenbank Federal Reserve größter Einzelinvestor in amerikanische Staatsanleihen ist. Würde China aufhören, diese zu kaufen, würde es der US-Regierung sehr schwerfallen, ihr Haushaltsdefizit zu decken. Würde China gar anfangen, einen Teil seiner billionenschweren Bestände zu verkaufen, würde der Dollar-Kurs sinken, und die US-Zinsen würden stark steigen.

Doch die vermeintliche Machtposition der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft stellt sie in Wahrheit vor ein großes Dilemma: Denn bisher bleibt China gar nichts anderes übrig, als seine hohen Überschüsse im Außenhandel überwiegend in Dollar-Staatsanleihen anzulegen. Das will die chinesische Regierung ändern. Schritt für Schritt arbeitet sie daran, die weltweite Dominanz des US-Dollars zu verringern. Deshalb stärkt sie mit Kooperationen die Rolle des heimischen Yuans.

Als einen Schritt vereinbarte der Finanzminister Hongkongs, Norman Chan, gestern mit seinem britischen Kollegen George Osborne, London als weiteren Umschlagplatz für chinesische Yuan neben Hongkong zu etablieren. Die sogenannten Offshore-Yuan erlauben den Nutzern Kontoführung, Überweisungen, Anleiheemission und -handel sowie Investitionen in China, soweit genehmigt.

"Der Aufbau eines liquiden Markts für Yuan-Anleihen ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Etablierung des Yuans als Reservewährung", sagt Ingo Nolden, Leiter der Abteilung Debt Capital Markets bei HSBC in Deutschland. "Es wird praktisch jeden Tag eine neue Emission im Hongkonger Yuan-Anleihemarkt angekündigt", beschreibt HSBC-Fondsmanager Hon Yu Fung die Lage.

Der Stahlhersteller Baosteel hat neulich auf diesem Weg problemlos eine halbe Milliarde Dollar an frischem Geld eingenommen. Die Staatsbank China Development Bank brachte gerade erst eine Yuan-Anleihe mit 15 Jahren Laufzeit bei Investoren unter. Das Wachstumspotenzial des Markts ist riesig. China ist zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und größter Spieler im Welthandel. Doch der internationale Markt für Anleihen in chinesischer Währung macht HSBC zufolge auch nach einer Versechsfachung im letzten Jahr auf 200 Milliarden Yuan bisher nur 0,03 Prozent des Volumens der weltweiten Anleihemärkte aus.

Staaten halten ihre Devisenreserven in der Regel in Form von Staatsanleihen. Und nur die großen Märkte sind liquide - und damit als Anlageziel interessant. Kein anderer Finanzmarkt hat ein so großes, liquides und gleichzeitig von den Ratingagenturen hoch bewertetes Angebot an Anleihen wie die USA. Auch der größte Teil des Welthandels und praktisch der gesamte Rohstoffhandel werden in Dollar abgerechnet. Noch.

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  • Es ist doch höchste Zeit, wenn die Amis nicht mehr das Mass aller Dinge wäre. Die Chinesen sind zwar nicht nur Schlitzaugen, sondern auch grosse Schlitzohren, die bestimmt nicht zögern würden, dem Rest der Welt das Fell über die Ohren zu ziehen.
    Also was tun?: - Euro ... viel zu schuldenlastig - Dollar ... Zeit abgelöst zu werden, damit die Amis wieder für Ihren Luxus selber arbeiten müssen - Yuan ... kann auch nicht das der dinge sein - und dann ?

  • @ Stubi,

    der "Schuldenturm" wurde durch den Krieg in Irak und Afghanistan verursacht, Obama tut das einzige was er jetzt tun kann. Wenn die Wirtschaft wieder anspringt wird man vielleicht an eine Entschuldung denken, wie damals unter Clinton. Die USA sind immer noch das Maß aller Dinge, auch wenn manche Deutsche aus Groll es andres sehen wollen.
    Das Problem der USA und der meisten Staaten ist dass die Verantwortliche nur selten zu Rechenschaft gezogen werden. Bush im Gefängnis wegen Kriegsverbrechen, können Sie sich das vorstellen?

  • @ bobi
    Zitat: "China will eine Exportnation sein, D.h. mehr exportieren, als importieren".
    Welches Land will das nicht?
    Mathematisch aber geht das nicht, was eigentlich leicht zu verstehen ist. Was machen aber die Überschussländer mit dem Überschuss?
    Was geschieht dann mit den Defizit-Ländern?
    Irgendwann müssen irgendwie die Uhren zurückgestellt werden,oder kann das ad infinitum (bis ins Unendliche) funktionieren, wie ein Perpetuum mobile?
    Das wäre schön, dann besser zu den Ländern mit Defizit gehören!

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